Freitag, 15. Mai 2009

NEWS.at exklusiv: Salzburger Festspiele - Pereira, Audi und Lissner im Dreiervorschlag

  • Hochkarätige Kommission sorgt für Überraschung
  • Empfehlung trotz schwerer Einwände gegen Lissner

Auf dieses Ergebnis hätte niemand gewettet. Nach vier Hearings mit potenziellen Kandidaten gelangte die Findungskommission für die Intendanz der Salzburger Festspiele ab 2012 zu drei Namen, von denen zumindest zwei nur am Rand der Debatte präsent waren:

* Alexander Pereira, 61, gebürtiger Wiener, leitete in seiner Heimatstadt das Konzerthaus. Er leitet seit 1989 das Zürcher Opernhaus, das er u. a. mit Nikolaus Harnoncourt und Franz Welser-Möst zu hohem internationalem Ansehen brachte. Für Salzburg war er mehrfach im Gespräch, scheiterte bisher aber stets am Einspruch der Wiener Philharmoniker. Deren Vorstand Clemens Hellsberg war Mitglied der Findungskommission, hier scheint sich also eine Versöhnung vollzogen zu haben. Pereira gilt als besonderes Talent in der Rekrutierung von Finanzmitteln. Sein Vertrag läuft 2012 aus.

* Stéphane Lissner, 56, geboren in Paris als Sohn eines Russen und einer Ungarin, leitete seit früher Jugend zahlreiche Bühnen und Orchester, u. a. in Nizza, Paris, Madrid und Aix-en-Provence. Er ist seit 2004 Musikchef der Wiener Festwochen und seit 2005 Intendant der Mailänder Scala. Er wurde innerhalb der Findungskommission vor allem von der Bayreuther Festspielintendantin Eva Wagner-Pasquier forciert. Lissner war zuletzt Adressat heftiger Kritik in fast allen österreichischen Medien. Beanstandet wurden seine weitgehende Abwesenheit vom Dienstort Wien und die Marginalisierung des Opernprogramms der Festwochen. Franz Welser-Möst, designierter Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper, nannte Lissners Wirken in Wien und Mailand per NEWS-Interview „kärglich“. Die Wiener Grünen warten noch auf die Beantwortung einer Anfrage an den Kulturstadtrat, in der es um Anwesenheit, künstlerische Bilanz und Gage des Festwochen-Musikchefs geht. Lissner will den großen Dirigenten Daniel Barenboim an Salzburg binden. Der allerdings ist schon jetzt regelmäßiger Gast der Festspiele und im Sommer mit dem von ihm gegründeten „West Eastern Divan“-Orchestra, bestehend aus israelischen und palästinensischen Musikern, massiv in Spanien verpflichtet. Lissners Verträge laufen bis 2013 – ein Jahr nach dem regulären Ende der Salzburger Ära Jürgen Flimm, wobei Flimm gern schon im Herbst 2010 an die Berliner Staatsoper ginge. Sein Partner dort: Daniel Barenboim.

* Pierre Audi, 52, geboren in Beirut, studierte in Oxford Geschichte. Leiter eines Avantgardefestivals in London, seit 1988 Direktor der Amsterdamer Oper, seit 2004 auch des Holland Festivals. Als einziger der drei Kandidaten ist Audi auch Künstler: Als Regisseur verantwortete er u. a. die von Karel Appel ausgestattete „Zauberflöte“, die auch bei den Salzburger Festspielen gezeigt wurde.

Die Findungskommission war hoch besetzt. Sie bestand aus Innsbrucks Opernintendantin Brigitte Fassbaender (für das Kunstministerium), Philharmoniker-Vorstand Clemens Hellsberg (für das Finanziminsterium), Bayreuths Festspielintendantin Eva Wagner-Pasquier (für LH Burgstaller), Bundestheater-Chef Georg Springer (für Salzburgs Bürgermeister Schaden) und dem Galeristen Thaddäus Ropac (für den Salzburger Fremdenverkehr).

Ob der neue Intendant schon während der Kuratoriumssitzung am kommenden Dienstag ernannt wird, ist noch nicht abzusehen.

Heinz Sichrovsky, NEWS.at

15.5.2009 12:04

Kino

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