Mittwoch, 13. Mai 2009

"Ich war immer da und werde immer da sein": Hermann Nitsch im großen Interview

  • NEWS: Der Meister bereitet eine große Malaktion vor
  • Seine Meinung zu Kunst, Krise, Angst vor dem Tod

Die Krise, die Scharlatane vom Kunstmarkt fegt, kann ihm nichts anhaben: Hermann Nitsch, 70, hat Ächtung, Boykott und Gefängnis hinter sich und ist heute als wesentlicher Mitbegründer und konsequentester Weiterentwickler des Wiener Aktionismus unumkehrbar in der Kunstgeschichte eingetroffen.

In Mistelbach, nahe seinem Hauptquartier auf Schloss Prinzendorf, wurde ihm ein Museum errichtet, und dort zeigt er zwischen 13. und 17. Mai seine 56. öffentliche Malaktion. Am 4. und 5. Juli führt dort im Rahmen der Ausstellung der tschechische Dirigent Peter Jan Marthé Nitschs „Ägyptische Symphonie“ auf, ein an Wagner geschultes Werk des Meisters, der in seinen einst wild bekämpften Aktionen alle Künste, Sinne und Philosophien in ein kosmisches Ganzes zu bringen versucht. Ab 25. Juni zeigt er im Wiener Künstlerhaus eine selbst gestaltete Schau mit dem Titel „Das Universum des Hermann Nitsch. Vorbilder. Zeitgenossen. Lehre“, wo er Vorgänger, Zeitgenossen und Nachfolger zueinander bringt. Und noch etwas erklärt er im NEWS-Interview: Seine Inszenierung von Wagners „Parsifal“, die ihm in durchaus gediehenem Stadium an der Wiener Staatsoper verwehrt blieb, dürfte in München Wirklichkeit werden.

NEWS: Sie haben mit Franz Welser-Möst 2007 in Zürich Schumanns „Faust-Szenen“ aufgeführt. Kehren Sie nun an die Staatsoper zurück, wo Sie einmal mit Massenets „Hérodiade“ einen Triumph hatten?
Nitsch: Wir haben uns sehr gut verstanden. Er wollte sogar, dass ich den „Ring“ machen sollte. Aber außer meiner Arbeit interessiert mich nur „Parsifal“, und dafür bin ich jetzt mit München im Gespräch. Der jetzige Münchner Opernintendant Klaus Bachler hat mich 2005 ins Burgtheater eingeladen. Wir haben uns befreundet und über „Parsifal“ gesprochen. Das wird jetzt konkreter.
NEWS: Haben Sie auch Pläne mit Hartmann für das Burgtheater?
Nitsch: Mein Ausflug in die Burg muss sich nicht allzu oft ereignen. Ich könnte mir vorstellen, dass man das wieder macht. Aber ich habe hier in Prinzendorf mein Theater, das ist quasi mein Bayreuth.
NEWS: Spüren Sie die Krise des Kunstmarkts?
Nitsch: Ich kann das ganze Gerede von der Krise überhaupt nicht mehr hören. Ich habe viele Krisen miterlebt, die erste nach dem Golfkrieg. Aber ich bin kein Künstler, der von Krisen berührt wird, weil ich mich nie um Trends gekümmert habe, damit mich mehr Leute kaufen. Ich will es nicht verschreien, aber ich habe die sogenannten Krisen immer gut überstanden. Ich will nicht angeben, aber ich hoffe, dass meine Arbeit für eine gewisse Qualität bürgt.
NEWS: Der Weg vom verhassten Provokateur zum „Staatskünstler“ stört Sie nicht?
Nitsch: Hans Hollein, der ein wahrer Staatskünstler ist, hat mich in seiner Eigenschaft als Biennale-Kommissär jahrelang nicht nach Venedig eingeladen. Die Begründung war, ich sei ein Staatskünstler. Aus diesem Mund ist das eine besondere Unverschämtheit. Ich bin im Gegensatz zu ihm der Künstler, der jahrelang nichts bekommen hat – keine Stipendien, keine Subventionen. Dafür hat man mich dreimal eingesperrt und alles getan, meine Aktionen zu unterbinden.
NEWS: Was halten Sie von Kunstmessen wie der Viennafair?
Nitsch: Ich hasse Messen. Was ich da gesehen habe, war nicht mehr als eine gute Absolventen-Ausstellung einer Akademie: leicht über dem Durchschnitt, aber unendlich fad. Das Interessanteste war, wie alle alles abkupfern.
NEWS: Wen wird die Krise am härtesten treffen? Die Werke Lucian Freuds etwa wurden wahnsinnig nach oben lizitiert.
Nitsch: Wer jetzt wirklich im Preis abstürzen wird, sind die Chinesen, die zur Mode hochgejubelt wurden. Freud ist ein großartiger Maler, und jeder muss das Seine verkaufen, Ärzte, Anwälte, Journalisten. Warum soll man sich darüber aufregen, wenn ein Künstler erntet, was ihm zusteht? Aber Preise interessieren mich nicht, ich bin schließ-
lich weder Bäcker noch Aktienverkäufer.

Heinz Sichrovsky, Susanne Zobl

LESEN Sie die Meinung von Nitsch über Hirst und Schlingensief, sowie seine Einstellung zum Leben nach dem Tod in NEWS 20/09!

13.5.2009 15:49

Kino

Men in Black 3

Komödie, Science Fiction - USA, 2012

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Mit: Will Smith, Josh Brolin, Tommy Lee Jones, Alice Eve, Emma Thompson

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