Jörgs Schwiegersohn Quercia packt aus:
BZÖ wollte Haider-Tochter für die EU-Wahl
- Polit-Berater kritisiert den Ausländer-Kurs des BZÖ
- Appell: "Sie sollten sein Erbe vorwärts transportieren"
NEWS: Was er an Jörg Haiders Unfall-Tod faul findet
·Martin dabei - Grüne schwach - Rote Erste
EU-Wahl: Auch das BZÖ
kann laut Prognose hoffen
·Bucher: "Nehme die Wahl mit Wehmut an"
Mit 99,4 % zum neuen BZÖ-Parteichef gewählt

Seit vier Jahren ist Jörg Haiders ältere Tochter Ulrike, die promovierte Juristin, mit dem Polit-Berater Paolo Quercia, 35, verheiratet. Nach dem Tod des BZÖ-Chefs ist dieser nun so etwas wie der politische Kopf des Haider-Clans, seine Beziehung zum Schwiegervater war vertraut und herzlich. Umso brisanter sind die Kernpunkte seines großen NEWS-Interviews: Kritik am BZÖ, Haiders Polit-Testament sowie Haiders Tod. Außerdem verrät er, dass eine Partei seine Ehefrau für die EU-Wahl gewinnen wollte. Und zwar, wie ein Insider gestand, das BZÖ.
NEWS: Sie sind Präsident der frisch gegründeten Associazione Italia Carinzia. Ist das ein Tribut an Ihren Schwiegervater?
Paolo Quercia: Ja, auch. Aber in erster Linie ein Versuch, einige seiner Ideen weiterzuentwickeln die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Italien und Österreich. Seine Idee war es, dass Menschen aus Italien in Österreich und Österreicher in Italien kandidieren sollten, er wollte eine grenzüberschreitende Partei gründen.
NEWS: Aber in seiner Partei dürfte sich das noch nicht herumgesprochen haben einer der Kandidaten warnt vor Migrantenströmen aus Afrika
Quercia: Zwei oder drei Tage nach seinem Tod saßen meine Frau und ich in Klagenfurt in einem Restaurant, da kam ein Blumenverkäufer auf uns zu. Als wir dankend ablehnten, sagte er: Sie sind der Schwiegersohn von Haider und Sie die Tochter diese Rosen sind für Sie, das ist mein Tribut an Jörg Haider. Er hieß Hammett und kam aus Ägypten: Haider war mein guter Freund,
er gab mir die Staatsbürgerschaft ein Jahr früher, weil er mich mochte. Nein, ich glaube nicht, dass in Jörg Haider diese Anti-Ausländer-Ideen sehr stark waren. Sie gehörten nur zu den vielen Ideen, die er auszubalancieren hatte.
NEWS: Machen seine aktuellen politischen Erben im BZÖ also vielleicht etwas, was er gar nicht wollte?
Quercia: Ich glaube, sie sollten mutiger sein: Sie sollten sein Erbe vorwärts transportieren und nicht zurückentwickeln. Ich glaube, sie müssten sich entscheiden: Sollen sie seinen alten oder den neuen Ideen folgen? Diese Partei sollte ihren Platz etwas rechts von der Mitte finden, nur dort kann ihre Zukunft liegen, sonst gibt es ja keinen Unterschied zur FPÖ. Sie dürfen nicht die FPÖ kopieren, sondern sollten liberal-konservativ sein. Kärnten allein reicht nicht. Diese Partei hat als Erbe von Haiders Ideen nur dann Zukunft, wenn sie zu einer lokalpatriotischen Partei wird, das war eine der Grundlagen seiner Ideen. Sie müssen in jeder österreichischen Region ihre lokale Identität stärker entwickeln, sollten kein peripherer Teil des Kärntner BZÖ sein. Jedes Tal hat seine eigene Identität, dieses Element der Differenzierung muss auch im politischen Marketing genützt werden.
NEWS: Wie geht es Ihnen persönlich, haben Sie Haiders Tod schon verarbeitet?
Quercia: Ich wollte mit ihm ein Buch schreiben, in dem in Ausgewogenheit Freunde und Gegner zu Wort kommen: Jörg Haider und Österreich die Idee gefiel ihm. Am Sonntag nach seinem Tod wollten wir eigentlich die Arbeit aufnehmen. Stattdessen begann ich, die unklaren Aspekte der Ereignisse zu verarbeiten. Ich glaube, Österreich hätte mit seinem Tod anders umgehen müssen, transparenter. Deswegen begann ich, ein Tagebuch zu schreiben über die vielen seltsamen Dinge, die mir auffielen.
NEWS: Zum Beispiel?
Quercia: Merkwürdig war zum Beispiel, wie man mit dem Körper umging. Hätte man das nicht in einer offenen Art machen und die Familie in diesen Prozess einbeziehen können? Wenn man das Blut mehrere Stunden nach dem Tod untersucht, ist das Resultat nicht vertrauenswürdig, nicht exakt. Der Körper verändert sich ja innerhalb von Stunden komplett.
NEWS: Ist es nicht schade, dass die Trademark Haider verloren geht? Claudia Haider zum Beispiel ist in Kärnten überaus populär, wäre sie nicht prädestiniert für die Politik?
Quercia: Claudia ist in sozialen Beziehungen sehr stark, sie würde sich in der Politik sehr gut machen. Aber wenn man mit seinen Erben so umgeht wie mit ihm ich glaube nicht, dass jemand aus der Familie vogelfrei sein will. Ich kann Ihnen sagen, dass eine politische Partei meiner Frau das Angebot machte, für die EU-Wahlen zu kandidieren. Ich glaube, die Idee dahinter war, seinen Namen zu benutzen.
Interview: David Pesendorfer
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