Samstag, 16. Mai 2009

Dreistufiges Aufnahmeverfahren an AHS:
ÖVP-Amon fordert reine Migrantenklassen

  • Bildungssprecher plant eigenes "Prognoseverfahren"
  • Geplantes Modell soll "soziale Selektion" verhindern

Für ein neues Aufnahmeverfahren an AHS spricht sich ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon aus. Er plädiert er für ein dreiteiliges Verfahren. Erstens sollen wie bisher die Noten der vierten Klasse Volksschule berücksichtigt werden. Zweitens soll es ein "Prognoseverfahren" geben, mit dem herausgefunden werden soll, welches Potenzial und welche Interessen ein Kind mitbringt. Und drittens sollen die Volksschulzeugnisse evaluiert werden.

Vor zwei Jahren hatte der damalige Generalsekretär Hannes Missethon die Wiedereinführung von Aufnahmeprüfungen an die AHS gefordert und damit auch ÖVP-intern für Unmut gesorgt.

"Prognoseverfahren"
Für das von Amon im "Standard" vorgeschlagene "Prognoseverfahren" sollen "wissenschaftliche und entwicklungspädagogische Standards" festgelegt werden. Den konkreten Ablauf sollen laut Amon Experten erarbeiten. Man dürfe sich das Prognoseverfahren aber nicht als reine Prüfungssituation vorstellen, meint der VP-Politiker. Es solle im Rahmen eines "amikalen Gesprächs" zwischen Eltern, Lehrern und Kind ablaufen. Tests seien aber ebenfalls eine Möglichkeit.

Mit der Evaluierung der Volksschulzeugnisse gemeint Amon eine "Iststandserhebung", mit der geprüft wird, ob die Noten an den verschiedenen Volksschulen tatsächlich vergleichbar sind. Die Summe dieser drei Faktoren würde dann darüber entscheiden, welches Kind in eine AHS und welches in eine Hauptschule kommt. Amon glaubt, dass mit seinem Modell die "soziale Selektion" beim Übertritt verhindert würde.

Eigene Migrantenklassen
Als Grund für seinen Vorstoß gibt Amon an, dass sich die Situation an den AHS - vor allem in den Städten - weiter verschlechtert habe. In den Ballungszentren würden fast alle Kinder - unabhängig von der Eignung - eine AHS besuchen. In den Hauptschulen fänden sich "fast nur noch Schüler der dritten Leistungsgruppe", eine innere Differenzierung gebe es in den Wiener Hauptschulen beispielsweise fast nicht mehr.

Nicht zuletzt wegen des hohen Migrantenanteils in Wien möchte Amon in der ersten Klasse Volksschule auch die Sprachkenntnisse bei der Feststellung der Schulreife berücksichtigen. Jene Kinder, die zu schlecht Deutsch sprechen, würden dann nach finnischem Vorbild vorerst in eigene Sprachförderklassen mit speziellem Lehrplan kommen.

(apa/red)

16.5.2009 12:31