Wirtschaftskrise macht kriminell: Zahl der
Einbrüche seither drastisch angestiegen
- Chefermittler Zwettler: "Krise dürfte Push-Faktor sein"
- Geld und Schmuck sind bei Dieben am beliebtesten

·Zahl der Anzeigen steigt weiter deutlich
Um fast 6 Prozent mehr Delikte als im Vorjahr
·Gestohlen wird meist
nur auf Bestellung
Organisierte Kriminalität boomt in Österreich
Dass die Zahl der Eigentumsdelikte gerade im ersten Quartal 2009 auf hohem Niveau liegt, kommt nicht von irgendwo. Der Wegfall der Grenzkontrollen im Dezember 2007 scheint als mögliche Erklärungsgrund zu weit zurück zu liegen. Die Frage ist: Wer sind die Täter? Und, warum legen die Zahlen gerade jetzt zu? Tatsächlich dürfte es mit der allgemeinen Wirtschaftslage zu tun haben. "Die Krise dürfte ein Push-Faktor dafür sein. Ansonsten gibt es keine plausible Erklärung dafür", meinte Erich Zwettler, Chefermittler im Bundeskriminalamt (BK).
Treten, aufzwängen, einschlagen - die große Masse der Einbrüche sind "brachiale Gewalt" - 90 Prozent der Täter gehen weniger professionell vor. Die restlichen zehn Prozent sind hochwertige Spezialisten. "Täter, die Skills haben", wie Zwettler erklärte. Sie haben das Know-How Sicherheitsvorrichtungen zu überwinden, wissen, wie man Alarmanlagen umgeht, sind vorbereitet, spähen den Tatort aus und suchen nach Wert- oder Kunstgegenständen.
Geld und Schmuck am begehrtesten
Der "normale" Einbrecher sucht nach Geld und Schmuck, nach Dingen, die er rasch verwerten kann. Der hochwertige Täter nimmt auch Kunstgegenstände. "Geld nehmen aber alle", meinte Zwettler. Ungarische und slowakische Täter finden sich oft unter den Altmetalldieben, weil der Preis für den Rohstoff hoch ist. Bei Unterhaltungselektronik und Markenbekleidung nannte der Kriminalist Rumänien als Beispiel. Anders als bei uns gebe es in diesen Ländern auch einen Markt dafür. "Der Schwarzmarkt hat dort eine höhere Tradition", sagte er.
Nachdem in Wien der Schwerpunkt der Einbrüche in den südlichen Bezirken Liesing, Favoriten und Simmering liege, ist davon auszugehen, dass die Täter eine "hit and run"-Strategie verfolgen und sich entlang der Hauptverkehrsroute nach Osten orientieren. Daher erklärt sich auch, warum in Niederösterreich besonders stark der Bezirk Mödling betroffen ist, oder Wiener Neustadt.
Profi-Diebe in Nobelbezirken unterwegs
In Nobelbezirken wie Döbling findet man hauptsächlich Profitäter, die wissen, wie man einen Tresor knackt und was man mit Kunstgegenstände macht, erläuterte Zwettler. Am häufigsten kommen diese Banden aus Balkanstaaten wie Serbien. Sie haben Hehlerstrukturen im Hintegrund, um ihre hochwertige Beute loszuwerden.
Der typische Einbrecher geht in Trupps bestehend aus drei Männer auf Beutejagd. Einer steht Schmiere, zwei verüben die Tat, sagte Zwettler, 43 Prozent sind zwischen 22 und 40 Jahre alt. Die Tristesse, die wirtschaftliche Lage und Arbeitslosigkeit in den Heimatländern verleite die Männer dazu, sich "kaufen" zu lassen.
Hund und Sicherheitstür als effektiver Schutz
Von der Polizei zuletzt vermehrt durchgeführte Schwerpunktaktionen machen laut Zwettler durchaus Sinn. Sie verfolgen mehrere Ziele: Abschreckung der Täter (niemand geht gerne in Haft); massive Präsenz erhöhe die Chance, Täter auf frischer Tat zu ertappen und sie um die "Früchte" ihrer Arbeit zu bringen. Extrem wichtig sei für die Polizei die Prävention. "Da müssen wir andrücken", so der Chefermittler. "Es gibt Möglichkeiten, die nicht Unsummen verschlingen." Am meisten abschrecken kann ein Hund. Sicherheitstüren bieten ebenfalls einen guten Schutz. (apa/red)
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