Donnerstag, 14. Mai 2009

Nach Auschwitz-Eklat droht Schulrauswurf:
Möglicher Ausschluss von Schülern geprüft

  • Antisemtische Äußerungen bei freiwilliger Klassenfahrt
  • Stadtschulrat: Auch Lehrer muss mit Folgen rechnen

Der Eklat bei einer Klassenfahrt nach Auschwitz Ende April, bei der einige Schüler des Wiener Gymnasiums Albertgasse in der Josefstadt durch antisemitische Äußerungen und Störaktionen aufgefallen sein sollen, könnte disziplinarrechtliche Folgen nach sich ziehen. Derzeit werde der mögliche Ausschluss einzelner Schüler geprüft, so ein Sprecher des Stadtschulrats. Auch dienstrechtliche Disziplinarmaßnahmen gegen die mitgereisten Lehrer behalte sich die Schulbehörde vor.

Der Organisator der Schülerreise, der Verein "Morah" (March of Remembrance and Hope), hatte auf die Zwischenfälle aufmerksam gemacht. Wie die Wochenzeitung "Falter" in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet, seien die Provokationen so weit gegangen, dass bei einem gemeinsamen Besuch einer Gaskammer mit Holocaust-Opfern und deren Nachkommen judenverhöhnende Witze gemacht wurden. Daraufhin habe der Verein die betreffenden Jugendlichen, die großteils 16 Jahre alt sind, samt ihren Klassenkollegen frühzeitig nach Hause geschickt.

Stadtschulrat untersucht Vorfall
Der Stadtschulrat führe nun eine umfassende Untersuchung durch, betonte der Sprecher. Diese beinhalte etwa die Aufnahme von Gedächtnisprotokollen aller an der Fahrt Beteiligten - "vor allem unter dem Aspekt, welche Aussagen tatsächlich getätigt wurden und dokumentierbar sind". Geprüft wird auch die Wahrung der Aufsichtspflicht durch das Lehrpersonal.

Schulausflug war freiwillig
Außerdem soll eruiert werden, wie und in welcher Intensität die Schüler auf den Ausflug inhaltlich vorbereitet wurden. Da die Teilnahme an der Reise auf freiwilliger Basis stattgefunden habe, wird auch die Auswahl der einzelnen Schüler genauer unter die Lupe genommen. Ein entsprechender Prüfbericht, auf dessen Grundlage weitere Entscheidungen fallen, wird laut Stadtschulrat nächste Woche vorliegen.

Vonseiten der Behörde wurde jedenfalls versichert, dass die Berichte von "Morah" über die Verhaltensweise der betroffenen Jugendlichen "Empörung" ausgelöst hätten. Inzwischen hätten die Schüler der Albertgasse jedoch ein "Entschuldigungsschreiben" an den Verein geschickt, in dem unter anderem festgehalten werde, dass man sich von Handlungen und Aussagen einzelner Kollegen deutlich distanziere. An der Reise zur KZ-Gedenkstätte in Polen nahmen mehr als 400 Schüler aus 17 Schulen teil. (apa/red)

14.5.2009 15:15