Donnerstag, 14. Mai 2009

Neonazi-Vorfall im KZ Ebensee: Zwei der Jugendlichen sitzen in Untersuchungshaft

  • Beide Hauptverdächtige im Alter von 16 Jahren
  • Experte warnt vor Extremistengruppe mit 80 Aktiven

Nach der Neonazi-Störaktion vom Wochenende in Ebensee im oberösterreichischen Bezirk Gmunden ist über zwei Hauptverdächtige - sie sind beide 16 Jahre alt - Untersuchungshaft verhängt worden. Das teilte Franz Haas von der zuständigen Staatsanwaltschaft Wels mit. Der dritte Jugendliche im Alter von 14 Jahren wurde gegen gelindere Mittel enthaftet.

Bei den drei Jugendlichen, über deren U-Haft der zuständige Haftrichter zu entscheiden hatte, handelte es sich laut Haas um jene, die geschossen und somit "die größte kriminelle Energie" aufgebracht hätten. Die drei waren auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Wels in die Justizanstalt Wels eingeliefert worden. Als Grund wurde Wiederholungsgefahr angegeben.

Die drei Jugendlichen sollen bei der Gedenkfeier zur Befreiung des Konzentrationslagers Ebensee mit Softguns auf Besucher geschossen und - gemeinsam mit zwei Freunden, die allerdings auf freiem Fuß blieben - Naziparolen gerufen haben. Die Sicherheitsbehörden sehen einen eindeutigen Fall von Wiederbetätigung nach dem Verbotsgesetz.

Warnung vor Extremisten-Gruppe
Ein Experte aus Oberösterreich warnte unterdessen vor der sogenannten "Jungen Aktion". Aus dem vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes als neonazistisch eingestuften "Bund freier Jugend" (BfJ) hervorgegangen, bestehe sie "im harten Kern" aus etwa 80 Aktivisten, erklärte ein Sprecher des OÖ Netzwerks gegen Rassismus und Rechtsextremismus.

Der Vorfall löste auch verschiedene Reaktionen unter Österreichs Spitzenpolitikern aus. Während Andreas Mölzer, freiheitlicher Spitzenkandidat für die EU-Wahl, unverhältnismäßige Strafen für die Täter befürchtet, fordert Grünen-Chefin Glawischnig eine Entschuldigung der Staatsspitze bei den Opfern der Neonazi-Übergriffe.

(apa/red)

14.5.2009 15:17