Das Kultur-Jahr

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7.5.2009 17:31

Die Kunst der Tragik im Komischen: Scott
Matthew romantisierte das Wiener WUK

  • Mit 'Album des Monats' zur großen Dramaturgie
  • Ein Abend zwischen Melancholie und Lachkrampf

Lobeshymnen auf seine vor Tragik triefenden Songergüsse gingen dem australisch-stämmigen, in New York lebenden Singer und Songwriter Scott Matthew und seinem neuen Machwerk „There is an ocean that divides...“ voraus: Album des Monats in der Musik-Gazette ‚Musikexpress’, positive Berichterstattung in diversen Medien, stetig steigende Scharen von Fans bei der laufenden Europa-Tour. Geheimtipp ist anders, schaut aber genau so aus.

Scott Matthew macht mit seiner Band - bestehend aus einer Pianistin, einem Cellisten und einem Bassisten - keinen einfachen Akustik-Folk, hier regiert das große Drama: Gepackt in radiotaugliche Songs voller Herzschmerz, mit einer ins Weinerliche kippenden Stimme und einem aber ebenso unpeinlichen Habitus. Nur die Ukulele darf nicht fehlen, ein Schelm ist er ohnehin, aber halt ein trauriger.

Drama, Baby!
So geschehen im Wiener WUK, erfreut sich der Brooklyner Künstler und Dramaturg seiner Traurigkeit so sehr, dass er nicht widerstehen kann, zwischen den Songs kleine Anekdoten zu erzählen und manchmal herzhaft aufzulachen, was prompt aufs Publikum überschlägt und zu regelrechten Begeisterungsstürmen animiert; fast unpassend im Gesamtkunstwerk des Königsdramas.

"Bloody Night"
Über herrschende Vorstellungen des musikalischen Kunstverständnisses möge sich Scott Matthew aber hoffentlich keine Sorgen machen, sprach er schon am Anfang des Abends von einer "Bloody Night" und gönnte sich im Laufe des eineinhalbstündigen Konzerts den einen oder anderen Drink.

Gegen Ende des Abends wurden noch ein fast bis zur Unkenntlichkeit verstümmeltes, auf wenige Arrangements verkürztes „The Boy with the Thorn in his Side“ der 80er Manchester-Legende The Smiths, sowie eine grandiose Version von „Harvest Moon“ (Neil Young) liebevoll ins Publikum gestreut. Was will der Melancholiker von Welt bitte mehr.

(Philip Dulle)

7.5.2009 17:31
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