Montag, 11. Mai 2009

Österreich verlässt die CERN-Forschung:
Mitgliedschaft von 20 Mio. pro Jahr zu teuer

  • Hahn: Mehrere neue europäische Projekte in Aussicht
  • Wissenschaftler lehnen sich gegen Ausstieg auf

Österreich beendet seine Mitgliedschaft bei der Europäische Organisation für Kernforschung CERN. Wissenschaftsminister Hahn begründet diesen Schritt mit den Kosten in Höhe von insgesamt rund 20 Millionen Euro pro Jahr für die CERN-Beteiligung. Dies seien 70 Prozent der zur Verfügung stehenden Mittel für internationale Mitgliedschaften.

Gleichzeitig gebe es zahlreiche neue Projekte auf europäischer Ebene, an denen sich Österreich beteiligen könnte. Hahn will das Parlament über diesen Schritt informieren.

Hahn: Keine "Stop- and Go-Politik"
"Mir tut es um jede Mitgliedschaft leid, die wir nicht aufrechterhalten können", sagte Hahn vor Journalisten, man habe aber zwischen Weitermachen und dem Verzicht auf Zukunftsperspektiven abwägen müssen. Obwohl Hahn durchaus beachtliche Budgetzuwächse für sein Ressort erhalten hat, unterstrich er die Bedeutung einer langfristigen Sicherheit beim Forschungsbudget: Planbarkeit und Stabilität seien notwendig. Eine "Stop- and Go-Politik" sei in der Forschung nicht möglich, "deshalb prüfen wir, was wir mit jedem einzelnen Euro machen", sagte Hahn.

Seitens des Ministeriums betont man, gegenüber neuen Entwicklungen in der Forschungsinfrastruktur aufgeschlossen zu sein und auch in Zukunft auf europäischer Ebene eine aktive Rolle spielen zu wollen.

Widerstand gegen Ausstieg
Gleichzeitig formiert sich der Widerstand gegen den Ausstieg Österreichs aus dem Europäischen Kernforschungszentrum CERN. Über den Fachausschuss Kern- und Teilchenphysik (FAKT) der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft (Austrian Physical Society) wurde eine Plattform ins Leben gerufen, auf der auch mehrere Nobelpreisträger den Ausstieg kritisieren. Außerdem wurde eine Petition veröffentlicht.

Auf der Website wird betont, dass der Mitgliedsbeitrag "knapp 16" und nicht 20 Millionen Euro betrage, wie mehrfach kolportiert. Das seien 0,47 Prozent des österreichischen Wissenschaftsbudgets. In ihrer Petition bezeichnen die Wissenschafter den CERN-Ausstieg als "historische Fehlentscheidung", die gestoppt werden müsse, bevor "irreparabler Schaden an Österreichs internationaler Reputation als Land der Hochtechnologie und modernen Forschung" entstehe. (apa/red)

11.5.2009 11:50