Fiat will den Markt aufmischen: Konzernchef
Sergio Marchionne wagt mit Opel den Coup
- NEWS über das neue italienische Automobil-Märchen
- Fiat könnte sich an Übernahme Opels verschlucken

·14-Punkte-Katalog zur Opel-Übernahme
NEWS exklusiv: Investor-
Kriterien von Steinmeier
·Magna wirft Fiat den
Fehdehandschuh hin
Heftiges Ringen um die
deutsche Autofirma Opel
Wenn es kein Alptraum wird, könnte es das neue italienische Märchen werden: Fiat, der Autokonzern aus Turin, war vor wenigen Jahren kurz davor, mit Milliardenverlusten final den Motor abzustellen. Das marode Firmenvehikel erhielt ab 2005 eine Totalsanierung durch Fiat-Boss Sergio Marchionne. Nun übernimmt Fiat den Autogiganten Chrysler, erhält dabei 5,3 Milliarden Euro an Staatshilfen und pokert um Opel, die deutsche Autotochter des US-Autokonzerns General Motors.
Schützenhilfe erhält Italiens Traditionsmarke ausgerechnet von US-Präsident Barack Obama, der in einer Fernsehansprache Fiat als Spitzenkonzern pries und sogar dessen Sprit sparende Fahrzeuge über den Klee lobte. Solche Vorschusslorbeeren gab es bislang kaum. Überzeugen muss Marchionne aber noch die skeptischen Deutschen, die derzeit zu Magna tendieren.
Marchionne kann mit der Übernahme von Chrysler und Opel ganz nach oben. "Wir wollen weltweit die Nummer zwei werden und mehr als sieben Millionen Autos im Jahr verkaufen", bestätigt der vorzugsweise leger gekleidete Fiat-Capo.
Turbo-Marchionne
Die Mär könnte aber ganz anders ausgehen: Fiat, auch Eigentümer der Marken Ferrari, Maserati, Alfa Romeo und Lancia, verschluckt sich vehement am - auf Pump finanzierten - Merger mit Opel und Chrysler und fährt den gesamten Karren in den Abgrund. Denn: In den Büchern von Fiat liegen auch bleischwer 17,9 Milliarden Euro an Verlusten. Zudem hat der Autobauer Chrysler bei zahlreichen Banken und Fonds rund 5,2 Milliarden Euro Schulden. Fix ist: Man befindet sich auf schmalem Grat. Doch wenn die hasardartige Rechnung aufgeht, steht Sergio Marchionne als der neue Superstar da.
Ein ehemaliger Manager von Fiat formuliert die Marchionne-Mania so: "Er hat Fiat gesund gemacht und damit ein Nationalheiligtum gerettet. Jetzt kann er machen, was er will." Zuvorderst hat er einen gelungenen Marken-Relaunch vorangetrieben. Mit dem Fiat 500 ist ein Jahrhundertwurf gelungen. Das putzige Kleinauto ist ein Bestseller geworden, für den man sogar in der fettesten Autokrise Wartezeiten in Kauf nehmen muss. Die restliche Palette ist gut überarbeitet, die Motoren sind auf neuestem Technikstand.
Zurück zum Start
Ob das gewagte Spiel von Marchionne letztlich aufgeht, steht in den Sternen. Es wäre aber nicht der erste Anlauf von Fiat, den US-Markt aufzumischen. General Motors (GM) - Noch-Eigentümer von Opel - und Fiat gingen im Jahr 2000 eine Partnerschaft ein, die fünf Jahre später zerbrach. GM hielt da zehn Prozent an Fiat und verpflichtete sich, via Put-Option die restlichen 90 Prozent zu übernehmen, wenn der Italo-Konzern es forderte. Ein schwer wiegender Fehler. Um den für GM unvorteilhaften Kontrakt wieder aufzuknoten, musste General Motors an Fiat 1,55 Milliarden Euro überweisen. Danach warf GM den Italienern noch Vertragsbruch wegen einer 2003 durchgezogenen Kapitalerhöhung vor, was letztlich die Zusammenarbeit beendete.
David Hell, Markus R. Leeb
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