Magna wirft Fiat den Fehdehandschuh hin:
Intensives Ringen um den Autobauer Opel
- Stronachs Zuliefererbetrieb will 20 Prozent erwerben
- Fiats Chef Marchionne lockt mit einer kühnen Vision
·Schwierige Mission
für Sergio Marchionne
CNN-VIDEO: Kühner Plan
zu Fiats Hochzeit mit Opel
·Wieviel Jobs kostet
Fiats Opel-Einstieg?
Arbeitnehmer beäugen
den Megadeal kritisch
·Fiat will jetzt auch Opel übernehmen
Guttenberg verlangt langfristiges Konzept
·Heißer Wettstreit
um Opel entbrannt
Fiat und Magna buhlen um
angeschlagenen Konzern

Vor den Toren von Rüsselsheim werden die Messer gewetzt. Auf der einen Seite ein Weltkonzern, zu schmieden aus den Einzelteilen von Fiat und Chrysler. Auf der anderen Seite ein austro-kanadischer Zulieferer, ausgerüstet mit einer milliardenschweren Kriegskasse. Die Beute, um die die beiden Kontrahenten ringen, heißt Opel. Die Auseinandersetzung wird mit ungleichen Waffen geführt und ihr Ausgang ist völlig offen.
Fiat-Chef Sergio Marchionne eröffnete den heißen Tanz um Opel mit einem Sensationscoup: Nach dem Einstieg beim insolventen US-Autobauer Chrysler überraschte der Italo-Kanadier, seit fünf Jahren an der Spitze des inzwischen sanierten italienischen Konzerns, mit der Ankündigung, nun auch noch die deutsche GM-Tochter Opel übernehmen zu wollen. Ziel sei die Schaffung eines Weltkonzerns aus Fiat, Chrysler und Opel, der Arbeitsplätze retten, Kosten sparen und der Konkurrenz die Stirn bieten soll. Mit einem Umsatz von rund 80 Milliarden Euro würde der neue Autoriese bei einem jährlichen Verkauf von sieben Millionen Autos zur weltweiten Nummer zwei aufsteigen.
Mit seiner kühnen Vision wird Marchionne zwar vom GM-Konzern mit offenen Armen empfangen, von Opels Betriebsräten und der Regierungspartei SPD jedoch mit Skepsis bedacht. "Das ist nicht die feine Art, richtete Betriebsratschef Klaus Franz Marchionne aus, nachdem erste Details aus Marchionnes Übernahmeplänen bekannt wurden. Der Einstieg Fiats würde unter anderem in Kaiserslautern die Schließung eines der deutschen Opel-Standorte nach sich ziehen. Eine Aussicht, mit der sich auch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil nicht anfreunden kann: "Ich finde, dass wir ganz vorsichtig sein müssen, stieg der Politiker auf die Bremse.
Willkommene Magna-Offerte
Umso gelegener dürften deutschen Sozialdemokraten und Betriebsräten daher das nun erstmals offiziell übermittelte Angebot von Magna International kommen: Der Konzern des gebürtigen Steirers Frank Stronach tritt mit der Offerte, 20 Prozent von Opel übernehmen zu wollen, in offene Konkurrenz zu Sergio Marchionne. Unterstützung hat Magna, das sofort 1,5 Milliarden Euro auf Opels Konten überweisen könnte, aus Russland. Über eine Beteiligung des selbst finanziell angeschlagenen russischen Autobauers GAZ wurde zuletzt viel gemutmaßt, wahrscheinlicher wäre hingegen eine Beteiligung der staatlichen Sberbank, der größten russischen Geschäftsbank.
Wo Fiat mit der Aussicht auf einen neuen Weltkonzern punkten will, erlegt sich Magna Bescheidenheit auf. "Ich habe immer gesagt, unsere Präferenz wäre, nicht zu konkurrieren", betonte Stronach zuletzt. "Aber angenommen, einige unserer Kunden brechen zusammen? Dann bliebe uns womöglich keine andere Wahl."
Wer letztlich den Zuschlag erhält, entscheidet auch die Politik. Nach der Offenlegung von Fiats Absicht zur Schließung des Werks in Kaiserslautern könnte Magna die Nase vorne haben. Fraglich bleibt allerdings, ob Magna für den Fall einer Übernahme nicht ähnliche Pläne in der Schublade hat. Dass rund 85 Prozent aller Magna-Angestellten in Österreich zuletzt einem temporären Lohnverzicht zugestimmt haben, wird man auch in der SPD vernommen haben.
(Stefan Meisterle)

