Montag, 11. Mai 2009

Die Vormachtstellung wurde zurückerobert:
Russland bleibt die stärkste Nation der Welt

  • Zweiter Weltmeistertitel in Folge gegen den Erzfeind
  • "Wir eine gute Rivalität für die kommenden Jahre"

Der Trainer wurde in die Luft geworfen, der Oberst lächelte verstohlen auf der Tribüne, daheim machten die Fans die Nacht zum Tag. Russlands Eishockey hat mit dem 25. Weltmeister-Titel endgültig seine einstige Vormachtstellung zurückerobert. Selbst der ernste Erfolgscoach Wjatscheslaw Bykow ließ nach dem 2:1-Finalsieg über Kanada seiner Freude freien Lauf.

Der langjährige Sowjet-Coach und Eishockey-Übervater Wiktor Tichonow genoss als Zuschauer still, aber mit großer Genugtuung den Triumph, der die Russen zum alleinigen Rekordchampion vor Kanada machte und erstmals auch an die Spitze der Weltrangliste katapultierte. Unter der strengen Regie des Sowjet-Oberst war die "rote Maschine" einst fast unschlagbar, unter Ex-Kapitän Bykow gelang erstmals seit 19 Jahren eine Titelverteidigung - und das erneut in Bern, wo Bykow 1990 als Spieler unter Tichonow Weltmeister wurde.

"Ich glaube schon, dass das der Start einer neuen Dynastie ist", sagte Verteidiger Dennis Grebeschkow nach dem schwer erkämpften Erfolg über Erzrivalen Kanada, das die ersehnte Revanche für die bittere 4:5-Endspiel-Pleite vor einem Jahr auf eigenem Eis knapp verpasste.

Kanada hungrig auf Revanche
Verlierer Dany Heatley widersprach Grebeschkow nach einem umkämpften und sehr intensiven Finale sofort. "Das ist auf gar keinen Fall eine Dynastie. Sie haben einige tolle, junge Spieler - wir aber auch. Das wird eine gute Rivalität für die kommenden Jahre", sagte der beste Torjäger in Kanadas WM-Geschichte, der schon vor Jahresfrist in Quebec mit Silber zufrieden sein musste und nun bei Olympia 2010 daheim in Vancouver auf keinen Fall die nächste Enttäuschung erleben will.

Seitdem Bykow an der Bande steht, hat Russland nur eines von 27 WM-Spielen verloren. Ausgerechnet beim Halbfinale 2007 in Moskau gab es ein 1:2 gegen Finnland. Danach folgten das Ende der 15-jährigen Titelflaute und 18 Siege. In Bern holte die "Sbornaja" in allen K.o.-Spielen einen Rückstand auf. So auch im Finale, wo Oleg Sabrykin (13.) und Alexander Radulow (35.) nach Kanadas Führung durch Jason Spezza (6.) die Partie drehten. Torhüter Ilja Brysgalow hielt den Sieg fest.

Russland steht Kopf
Nach der turbulenten Schlussphase gab es daheim am frühen Montagmorgen von St. Petersburg bis Wladiwostok einen Freudentaumel mit Autokorsos, Fahnenschwenken und "Rossija, Rossija"-Sprechchören.

"Wir haben nicht viele Chancen bekommen, aber die wenigen genutzt, die wir hatten", sagte der stets nüchtern auftretende Bykow nach dem Erfolg in seiner einstigen Schweizer Wahlheimat. "Wir haben versucht, gut zu verteidigen und geduldig zu bleiben. Gegen einen Gegner wie Kanada ist das natürlich nicht einfach." Die Spieler kommen dank des 48-Jährigen längst wieder gern zur Nationalmannschaft, die ein Jahrzehnt lang aus talentierten Egoisten zu bestehen schien und oft enttäuschte. Matchwinner Radulow brachten den zurückgekehrten Kollektivgeist auf den Punkt: "Ich liebe mein Land und bin immer da, wenn der Nationaltrainer ruft."

(apa/red)

11.5.2009 13:58