Freitag, 8. Mai 2009

Cup-Spezialist Bremen erstmals im UEFA-
Cup-Finale: Diego als der tragische Held

  • Prödl: Berechtigte Hoffnungen auf Endspiel-Einsatz
  • Gegen Donezk personelle Umstellungen notwendig

In der Meisterschaft ist es für Werder Bremen heuer alles andere als wunschgemäß gelaufen. Mit Rang zehn in der Bundesliga sind Titelhoffnung und selbst die Chance auf einen Europacup-Startplatz längst weg. Doch Werder hat sich in dieser Saison als Cup-Spezialist gezeigt und damit zwei Chancen, sich für die Europa League (bisher UEFA-Cup) zu qualifizieren: Im Finale des DFB-Cups am 30. Mai in Berlin gegen Bayer Leverkusen und im Endspiel des UEFA-Cups am 20. Mai in Istanbul gegen Schachtjor Donezk.

So wie im DFB-Cup-Halbfinale entschied Werder am Mittwochabend auch das UEFA-Cup-Halbfinale gegen den norddeutschen Lokalrivalen Hamburger SV für sich. Nach dem 3:2-Krimi und dem erstmaligen Erreichen des UEFA-Cup-Finales waren die Bremer außer Rand und Band, auch wenn sie am 20. Mai ohne den abwanderungswilligen Diego antreten müssen. Den Ärger über die umstrittene Gelbe Karte gegen den Spielmacher konnte trotz der Hochstimmung keiner verbergen.

"Das ist eine Katastrophe", schimpfte Werders Manager Klaus Allofs. "Ich finde es unmöglich, Gelb zu geben, da wurde provoziert und dann eine Kollektivstrafe verhängt. Das ist ein Skandal." In seiner Rage kündigte er an, möglicherweise noch rechtliche Schritte einzuleiten, Trainer Thomas Schaaf bewertete dies am Freitag aber als aussichtslos. "Ob mit oder ohne Diego: Wir gewinnen das Finale. Natürlich ist es bitter, aber wir holen jetzt die Pötte", sagte Torhüter Wiese.

Und auch die Transfergerüchte um Diego sind nicht verstummt. Trotz des Dementis von Werder wird sein Wechsel zu Juventus Turin in Italien bereits bejubelt. "Juve Diegoool. Der brasilianische Star ist der erste Coup für den Juve-Neuanfang", titelte "Tuttosport". Nach Angaben der "La Gazzetta dello Sport" wurden die Verträge in der Nacht vor der Partie unterzeichnet: "Ein zwölfstündiger Verhandlungsmarathon war nötig, um alles schwarz auf weiß mit allen Unterschriften zu haben: mit denen der Geschäftsführer beider Clubs und mit der des brasilianischen Fußballers, der bei den Verhandlungen lange Zeit zugegen war."

Angeblich soll sich auch Bayern München weiter um den 24-Jährigen bemühen und nun eine Ablösesumme von 34 Millionen Euro bieten. "Wenn der Verein sagt, ich kann gehen, dann gehe ich", sagte Diego, der bei Juve mindestens 3,5 Millionen Euro netto verdienen soll.

Zum Finale gegen das mit Brasilianern gespickte Schachtjor Donezk will er zum Abschied mitfliegen. "Ich bin sehr enttäuscht, es ist der Höhepunkt, aber die Mannschaft wird auch ohne mich gewinnen", versprach Diego, der gegen den HSV erneut der beste Mann auf dem Platz war. "Diego wird uns in Istanbul sehr fehlen. Er ist ein außergewöhnlicher Spieler. Er hat uns geholfen, ins Finale einzuziehen und ich hoffe, dass die Mannschaft ihm in Istanbul etwas überreichen kann", sagte Schaaf. "Natürlich ist Ärger vorhanden".

Fehlen wird am Bosporus neben dem ebenfalls Gelb-gesperrten Hugo Almeida mit Sicherheit auch Per Mertesacker, der sich im 100. Nordderby einen Bänderriss zuzog. Damit steigen die Chancen der beiden österreichischen Teamspieler Sebastian Prödl und Martin Harnik auf Einsätze. Prödl, der am Mittwoch in der 54. Minute für Mertesacker eingewechselt worden ist, wird wohl in den kommenden Wochen dessen Platz in der Innenverteidigung einnehmen. Harnik wird in der Hierarchie der Offensivspieler ebenfalls nach oben rutschen.

(apa/red)

8.5.2009 15:23