Freitag, 8. Mai 2009

Spanien soll Umschwung bringen: Ferrari
hat nach blamablem WM-Start abgespeckt

  • Im Vorjahr feierten Raikkönen und Massa Doppelsieg
  • Neuer Ferrari-Bolide F60B ist bis zu 25 Kilo leichter

Vor einem Jahr hat Ferrari beim Grand Prix von Spanien durch Kimi Räikkönen und Felipe Massa einen grandiosen Doppelsieg gelandet, am Sonntag befindet sich die finnisch-brasilianische Fahrerpaarung der strauchelnden Scuderia in Montmelo bei Barcelona aber nur in der Außenseiterrolle. Die stolzen Italiener wollen nach dem blamablen Saisonstart - 3 Punkte in 4 Rennen (punktmäßig schlechtester Start aller Zeiten) - nun Schritt für Schritt und mit einem gewichtsmäßig abgespeckten Boliden ihre Formel-1-Ehre wieder herstellen.

Für Räikkönen war Montmelo 2008 eines der besten Wochenenden seiner Ferrari-Laufbahn: Pole Position, Sieg und schnellste Rennrunde. Seine Zeit von 1:21,670 Sek. bedeutete die schnellste Rennrunde der Geschichte auf dem Circuit de Catalunya. Seitdem wartet der 29-Jährige auf den 18. Grand-Prix-Erfolg seiner Karriere. "Ich möchte das Gefühl des Gewinnens sobald wie möglich wieder genießen", stellte der zweifache Spanien-Sieger (2005 im McLaren und 2008) klar.

Ferrari hat abgespeckt
Gelingen soll die Steigerung dank zahlreichen Neuerungen, bei denen die Aerodynamik und die Reduzierung des Gewichts im Vordergrund gestanden sind. Der F60B genannte neue Hoffnungsträger soll rund 20 bis 25 kg leichter als der F60 sein. Räikkönen, der 9 cm größer und 3 kg schwerer als Massa ist, wird dabei aufgrund der körperlichen Voraussetzungen ein noch leichteres Chassis als sein Stallgefährte erhalten.

Damit soll bei Ferrari das zwischen 20 und 25 kg schwere Bremsenergie-Rückgewinnungssystem KERS nicht mehr so sehr ins Gewicht fallen. Ferrari ist eines jener Teams, dass das KERS verwendet, mit dem auf Knopfdruck eine kurze Leistungssteigerung erzielt werden darf. Durch KERS erwartet sich Ferrari in Montmelo, wo normalerweise nur sehr schwer überholt werden kann, möglicherweise entscheidende Vorteile. "Auf einer Strecke wie Barcelona könnte das KERS den entscheidenden Unterschied ausmachen. Vor allem beim Start", hofft Räikkönen.

Neuer Diffusor
Das Mindestgewicht eines Autos beträgt in dieser Saison - inklusive Fahrer - 605 kg. Um dieses Minimum zu erreichen, verwenden Teams auch Ballast, das ideal aufgeteilt Vorteile bei Balance und Gewichtsverteilung bringen kann. Punkto Aerodynamik setzt Ferrari auf einen Diffusor, der natürlich jenem umstrittenen Diffusor vom bisherigen Saison-Dominator BrawnGP ähneln wird. Gegen jenen Diffusor von Jenson Button und Rubens Barrichello hatten zahlreiche Teams, darunter auch Ferrari, Einspruch eingelegt, waren damit jedoch abgeblitzt.

Die Entwicklung des neuen F60B war mit enorm viel Arbeit verbunden, laut Ferrari mussten durch den neuen Diffusor sehr viele elektronische und hydraulische Veränderung im Hinterteil des Autos vorgenommen werden. Nach ersten Tests am vergangenen Samstag in Vairano ist sich Ferrari aber zumindest sicher, dass das neue Teil die gewünschte Wirkung zeigt, also die Boliden schneller macht.

Bisher nur ein einziger Punkt
Doch auch Räikkönen weiß, dass in den vergangenen Wochen nicht nur bei Ferrari hektisch entwickelt worden ist. "Wir werden sehen, welches Team am besten gearbeitet hat", so der Weltmeister 2007, der als Bahrain-Sechster die bisher einzigen Ferrari-Punkte in dieser Saison geholt hat.

Für Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo kam die schwierige Situation seiner Scuderia nicht wirklich überraschend. Keinesfalls etwas zu tun habe dies mit den Abgängen von Siebenfach-Weltmeister Michael Schumacher, Ex-Teamchef Jean Todt oder dem ehemaligen Technischen Direktor Ross Brawn, der nun für BrawnGP Serien-Erfolge einheimst.

Umschwung durch radikale Regeländerungen
Für Montezemolo haben vor allem die radikalen Regeländerungen für 2009 den Umschwung herbeigeführt. Diese Regeln bezeichnete Montezemolo als "sehr schlecht geschrieben", weil sie zu viele Grauzonen und somit Raum für verschiedenste Interpretationen gelassen hätten. Vor allem die Topteams der vergangenen Saison, also Ferrari und McLaren, hätten gemäß Montezemolo im Gegensatz zu den anderen Mannschaften weit weniger Zeit zur Vorbereitung, weil sie 2008 bis zur letzten Grand-Prix-Runde um den WM-Titel gefahren sind.

Nicht verheimlichen wollte Montezemolo aber auch seine Ansicht, dass sicher auch "ein Schuss Selbstzufriedenheit" Schuld gewesen sei. Mit diesem Hochmut ist jedoch längst Schluss bei Ferrari. Laut Montezemolo gehen die Lichter im Werk in Maranello nicht mehr aus. "Wir arbeiten rund um die Uhr."

(apa/red)

8.5.2009 10:06
Ergebnisse, WM-Stand, Team-Porträts