Benedikt zu Besuch im Heiligen Land: Papst ruft in Israel zu einer Zweistaatenlösung auf
- Vatikan verbietet Regierungschef Netanyahu die Rede
- Hitlerjugend: Shoah-Überlebender verweigert Treffen
·Stationen der Papst-
Reise ins Heilige Land
Zu Besuch in Jordanien, Israel und Palästina
·Papst liest Messe
vor 50.000 Gläubigen
Amman: Mit Jubel im Fußballstadion empfangen

Papst Benedikt XVI. ist zu seinem als historisch eingestuften Besuch in Israel eingetroffen. Gleich zu Beginn seines Besuches hat sich der Heilige Vater unmissverständlich für eine Zweistaatenlösung im Nahost-Konflikt ausgesprochen, die es Israelis und Palästinensern ermöglichen soll, "in Frieden in ihrem jeweiligen Land" und "in sicheren und international anerkannten Grenzen zu leben". Für Verstimmung sorgte einerseits Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu und andererseits ein Shoah-Überlebender, der ein Treffen mit dem Papst aufgrund seiner Hitlerjugend-Vergangenheit ablehnte.
Gleichzeitig bezeichnete das katholische Kirchenoberhaupt in seiner Rede im Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv den Antisemitismus als "abscheulich und völlig unannehmbar." Das Oberhaupt der katholische Kirche erinnerte an das tragische Schicksal des jüdischen Volkes. Benedikt XVI. wies dabei auf die "fürchterlichen Folgen" von Ideologien hin, die die grundsätzliche Würde eines jeden Menschen verneinten. Er werde die Gelegenheit haben, der sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocaust zu gedenken "und zu beten, dass die Menschheit niemals mehr Zeuge eines Verbrechens dieser Größenordnung sein wird", sagte der Papst.
Benedikt rief zum weltweiten Kampf gegen Antisemitismus auf. "Traurigerweise erhebt der Antisemitismus in weiten Teilen der Welt weiterhin sein hässliches Haupt. Das ist völlig inakzeptabel. Jede Anstrengung muss unternommen werden, um den Antisemitismus zu bekämpfen, wo immer er auftritt". Der Papst war zuvor vom israelischen Präsidenten Shimon Peres und Premier Benjamin Netanyahu willkommen geheißen worden.
Netanyahu wird Rede verweigert
Begrüßt wurde der Papst von Präsident Peres in lateinischer Sprache: "Ave Benedicte, princeps fidelium qui hodie terram sanctam visitas". Anschließend sprach Peres Begrüßungsworte in englischer Sprache. Nach israelischen Pressemeldungen hatte es protokollarische Verstimmungen zwischen der israelischen Regierung und dem Vatikan vor dem Papst-Besuch gegeben. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu habe bei der Ankunft von Benedikt XVI. auf dem Ben-Gurion-Flughafen eine Rede halten wollen, hieß es, vom Vatikan sei der Wunsch Netanyahus mit der Begründung abgelehnt worden, der Papst sei ein Staatsoberhaupt; daher dürfe nur der ranggleiche Staatspräsident Shimon Peres eine Rede halten. Zudem befinde sich der Papst auf einer "Pilgerreise ohne politischen Charakter".
(apa/red)
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