Sonntag, 10. Mai 2009

Auf leisen Sohlen durch das Gotteshaus:
Papst lässt bei Moschee-Besuch Schuhe an

  • Organisatoren ersparten Benedikt die "Fußlüftung"
  • Johannes Paul II. hatte sich einst Schuhe ausgezogen

Bei seinem Besuch der Al-Hussein-bin-Talal-Moschee in Amman hat Papst Benedikt XVI. seine Schuhe anbehalten. Dies sei jedoch kein Zeichen von mangelndem Respekt des katholischen Kirchenoberhaupts vor dem Islam, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi nach dem Besuch. Vielmehr hätten die Organisatoren der Visite die Strecke so ausgewählt, dass es dem 82-jährigen Papst erspart blieb seine Schuhe auszuziehen. In einer Rede rief das katholische Kirchenoberhaupt zum Schutz der Christen im Irak auf.

Benedikts Vorgänger, Papst Johannes Paul II., hatte 2001 in Damaskus beim ersten Moschee-Besuch eines katholischen Kirchenoberhaupts überhaupt seine Schuhe ausgezogen. Auch Benedikt XVI. hielt sich bei seinem ersten Besuch einer Moschee 2006 in Istanbul an den muslimischen Brauch.

Dass er dieses Mal nicht auf Strümpfen gehen musste, bezeichnete Prinz Ghazi bin Mohammed als "Geste des guten Willens". Es solle als Zeichen verstanden werden für den "gegenseitigen Respekt zwischen Muslimen und Christen", sagte der Cousin und außenpolitische Berater des jordanischen Königs Abdullah II., der den Papst durch die Moschee geführt hatte.

Christliche Minderheit schützen
Zum Schutz der christlichen Minderheit im Irak rief der Papst die internationale Staatengemeinschaft auf. Politische und religiöse Führer müssten alles tun, um der christlichen Gemeinschaft des Zweistromlandes das "grundlegende Recht auf friedliche Koexistenz" zu garantieren, sagte der Papst bei einer Begegnung mit dem Diplomatischen Corps, hohen islamischen Klerikern und den Rektoren der jordanischen Universitäten vor der Grabmoschee König Husseins in Amman. Eigens begrüßte er den in Bagdad residierenden chaldäisch-katholischen Patriarchen, Kardinal Emmanuel III. Delly.

Der Papst dankte dem jordanischen Staat für die Aufnahme irakischer Kriegsflüchtlinge. Die Anstrengungen der Weltgemeinschaft und der Regierungen in der Region für Frieden und Versöhnung müssten weitergehen, so Benedikt XVI.

(apa/red)

10.5.2009 10:50