Papst entkommt nur knapp einer EU-Rüge:
Äußerungen zu Kondomen sorgte für Wirbel
- 253 EU-Abgeordnete haben dagegen gestimmt
- CSU kritisiert Antrag als "skandalöse Attacke"
Papst Benedikt XVI. ist knapp einer Rüge des Europaparlaments wegen seiner Äußerungen zu Kondomen entgangen. Ein Antrag der Liberalen, der das Oberhaupt der katholischen Kirche deswegen kritisieren sollte, wurde abgewiesen. In dem zum Abschluss der Sitzungswoche nur noch dünn besetzten Straßburger Plenarsaal stimmten 253 Abgeordneten gegen die Rüge, 199 teilten die Kritik. 61 Europarlamentarier wollten nicht Stellung beziehen und enthielten sich.
Für die Zurückweisung der Kritik hatte sich unter anderen der deutsche CDU-Abgeordnete Hartmut Nassauer stark gemacht. Er verwies darauf, dass der fragliche Antrag in einen Bericht des Parlaments über Menschenrechtsverletzungen einfließen sollte. Die umstrittenen Äußerungen als Menschenrechtsverletzung anzuprangern würde eine "unglaubliche Diskriminierung des Papstes" bedeuten, sagte Nassauer.
CSU "skandalöse Attacke" auf Papst
Sein deutscher Fraktionskollege Bernd Posselt (CSU) sprach von einer "skandalösen Attacke auf die bedeutendste moralische Autorität unserer Tage". Die "Kirchenfeindlichkeit der Liberalen" kenne offenbar keine Grenzen. Sie hätten den Papst in einem Bericht anprangern wollen, in dem sonst nur Diktatoren, Folterer und andere Menschenrechtsverletzer kritisiert würden.
Papst Benedikt XVI. hatte auf seiner Afrika-Reise Mitte März gesagt, Kondome könnten das Aids-Problem nicht lösen. "Ihre Benutzung verschlimmert vielmehr das Problem", sagte er an Bord seines Flugzeugs auf dem Weg nach Kamerun. Er forderte stattdessen eine "spirituelle und menschliche Erneuerung der Sexualität". Die Äußerungen hatten international Empörung hervorgerufen. Im April hatte das belgische Abgeordnetenhaus für einen Protest der Regierung beim Vatikan wegen der Papst-Aussagen gestimmt. (apa/red)
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