Montag, 11. Mai 2009

Gedenkfeier für die Mauthausen-Opfer:
Heuer dem religiösen Widerstand gewidmet

  • Appell der Religionen gegen Rechtsextremismus
  • 7.000 Personen treffen sich im ehemaligen KZ

Die diesjährige Gedenkfeier zur Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen in Oberösterreich im Mai 1945 ist im Zeichen des religiös motivierten Widerstandes gegen das Nazi-Regime gestanden. Repräsentanten von Kirchen und Religionsgemeinschaften haben zusammen mit Vertretern der Österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen und vom Mauthausen Komitee Österreich mit einem gemeinsamen Appell mit der Aufforderung veröffentlicht, vehement gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Intoleranz und Diskriminierung aufzutreten.

Rabbiner Schlomo Eliezer Hofmeister von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Karl Hubmann für die Zeugen Jehovas, der frühere Linzer Diözesanbischof Maximilian Aichern, Erzbischof Michael Staikos von der Griechisch-orthodoxen Kirche und Bischof Michael Bünker von der Evangelischen Kirche AB wiesen in kurzen Statements auf die Verfolgung von Menschen durch die Nationalsozialisten hin, die sich aufgrund ihrer religiösen Überzeugung gegen das NS-Regime aufgelehnt hatten. Aichern betonte den Widerstand von einzelnen Persönlichkeiten der katholischen Kirche, Priestern wie Laien, gestand aber auch ein, dass viel versäumt worden sei. Auch Bünker stellte fest, dass die evangelische Kirche im Nationalsozialismus Schuld auf sich geladen habe.

Gegen Rechtsextremismus
Die Repräsentanten der Kirchen und Religionsgemeinschaften und der Vorsitzende des Mauthausen Komitee Österreich, Willi Mernyi, appellierten gemeinsam an die Exekutive, alle Mittel und Maßnahmen zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus auszuschöpfen, sowie an die Politiker und Meinungsmacher, ein Klima zu schaffen, das von Respekt für alle Menschen unterschiedlicher Herkunft, Hautfarbe, sexueller Ausrichtung, Alter, Religion und Weltanschauung getragen wird. Weiters appellierten sie an die Sozialpartner, verstärkt für Gleichberechtigung und Antidiskriminierung einzutreten, um eine Arbeitswelt des Miteinanders zu gestalten und an die Kirchen und Religionsgemeinschaften, für ein Klima des Verständnisses und der Toleranz zu sorgen. Zuletzt wandten sie sich an alle "Menschen mit Zivilcourage, ewig gestrigen Stammtischparolen und demagogischen Hetzern mutig entgegenzutreten".

Dieser Appell wurde im Anschluss daran schriftlich an Bundespräsident Heinz Fischer, Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, Innenministerin Maria Fekter, Sozialminister Rudolf Hundstorfer, ÖGB-Präsident Erich Foglar und an den Vorsitzenden des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, den evangelische Altbischof Herwig Sturm übergeben.

Nach Angaben der Behörden sind zu der Gedenkfeier in Mauthausen rund 7.000 Personen gekommen. Teilgenommen haben laut Anmeldung offizielle Delegationen aus 42 Ländern. Zwischenfälle hat es nach Auskunft der Sicherheitsbehörden keine gegeben.

(apa/red)

11.5.2009 11:43