Samstag, 2. Mai 2009

Bei Chrysler stehen die Bänder still: US- Autobauer tritt Gang in die Insolvenz an

  • Einige Gläubiger leisten entschlossenen Widerstand
  • Kanada: Werke stellen vorübergehend Produktion ein

Nach dem Scheitern aller Rettungsbemühungen hat der traditionsreiche US-Autobauer Chrysler den Gang in die Insolvenz angetreten. Die Bänder des einstiegen Autoriesen aus Detroit stehen still. Bei der ersten Anhörung vor dem New Yorker Konkursgericht drängte die ehemalige Daimler-Tochter zudem auf eine rasche Genehmigung ihres Sanierungsplans. Dieser sieht als künftige Eigentümer den italienischen Autohersteller Fiat, die Belegschaft sowie die Regierungen der USA und Kanadas vor.

"Wir haben die Produktion in unseren Fabriken gestoppt", sagte die Chrysler-Anwältin Corinne Ball vor dem New Yorker Gericht. Die Belegschaft und die Zulieferer warteten auf einen Neustart. Chrysler könne und müsse überleben.

Der drittgrößte US-Autobauer will nur wenige Wochen unter Gläubigerschutz arbeiten und hofft dank der Allianz mit Fiat anschließend wieder auf erfolgreichere Zeiten. Die US-Regierung unterstützt die Sanierung mit weiteren Milliarden-Hilfen. Bei Chrysler sind 38.500 Arbeiter in 23 Fabriken beschäftigt. Allein in den USA arbeiten 140.000 Menschen für 3200 Chrysler-Autohäuser.

Fiat will Opel als Partner
Nach dem Einstieg bei Chrysler will Fiat nun Opel, die deutsche Tochter des ebenfalls strauchelnden US-Konzerns General Motors, als weiteren Partner gewinnen. "Nun müssen wir uns auf Opel konzentrieren", sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne der Zeitung "La Stampa". "Sie sind unser perfekter Partner." Die Italiener erhalten zunächst einen 20-Prozent-Anteil an Chrysler und haben bereits seit längerem Interesse an der deutschen Tochter von General Motors(GM) bekundet. Opel will sich mit seinen rund 25.000 Beschäftigten von GM lösen und sucht dafür händeringend nach einem Investor.

Heftigen Widerstand gegen den Sanierungsplan meldeten einige Gläubiger an. Eine Gruppe von 20 Geldgebern will Einspruch gegen die geplante Verteilung der Verkaufserlöse einlegen. "Kein Gericht hat jemals zuvor so etwas genehmigt", sagte ihr Anwalt Tom Lauria. Den Fall betreut mit Arthur Gonzales derselbe Richter, der auch die spektakulären Insolvenzen von Enron und Worldcom regelte. Er genehmigte Chrysler zunächst die weitere Auszahlung von Löhnen und das Geschäft mit Kunden und Händlern.

Kanada stellt Produktion ein
Nach der Insolvenz-Anmeldung von Chrysler haben die kanadischen Produktionsstätten des taumelnden US-Autobauers ihren Betrieb vorerst eingestellt. Davon sind rund 7.000 Beschäftigte in den Werken Windsor und Brampton im Süden der Provinz Ontario betroffen, wie das Unternehmen mitteilte. Im Gegensatz zum US-amerikanischen Mutterkonzern will die Chrysler-Niederlassung in Kanada aber keinen Gläubigerschutz beantragen.

(apa/red)

2.5.2009 07:32