Mittwoch, 29. April 2009

Lebt "Theater heute" noch?

  • Heinz Sichrovsky über virtuelle Machtentfaltung
  • PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

Das deutsche Periodikum „Theater heute“, mangels Leserzuspruch vor einiger Zeit von der Einstellung bedroht, zählt noch 5.000 Abonnenten. Sie rekrutieren sich, vergleichbar dem Mitteilungsorgan „Der österreichische Sicherheitswachebeamte“, hochrechenbar aus den Personen, über die das Blatt schreibt oder die dort gern vorkämen. Seine wahrgenommenste Leistung ist eine Kritikerumfrage, die ebenso gut von einer Sekretärin der Deutschen Presseagentur durchgeführt werden könnte. Aber nicht wird, denn in wenigen Ländern steht das Selbstbewusstsein des Feuilletons in solchem Missverhältnis zur öffentlichen Wahrnehmung wie in Deutschland. Dennoch übt die sich in „Theater heute“ modellhaft darstellende Blase auf ihre Klientel erhebliche Gewalt aus. Stildiktate werden erlassen, Häuser, Regisseure und Schauspieler abgemeldet oder unter Schutz gestellt. Immer mehr aber leben glücklich ohne diesen Schirm. Peymanns Berliner Ensemble etwa wird hinuntergeschrieben und ist doch die besuchteste Bühne der Hauptstadt. Jenseits der deutschen Grenze mikroskopisiert sich das Phänomen. Matthias Hartmann ist kein „Theater heute“-Klient, also wässern ihm kleinmafiose Erscheinungen schon vor Amtsantritt die Wade. Das aber ändert nicht das Geringste daran, dass er in Wien nur an einem gemessen wird: an seinen Resultaten. Dann, wenn sie vorliegen.

29.4.2009 15:18