KMU stemmen sich gegen Wirtschaftskrise:
Traditionelle Lösungen für Auswege üblich
- 51,6 % laut Umfrage mit der Geschäftslage zufrieden
- Ankurbelung des Vertriebes und Optimierung gefragt

·'Haben vielleicht das
Schlimmste hinter uns'
Dienstleister in Euro-Zone
zuletzt stark gebeutelt
·Österreichs Exporte
brechen massiv ein
Ausfuhren sanken im
Jänner um 25,2 Prozent
·Arbeitslosigkeit im März 29% gestiegen
271.127 Menschen sind derzeit auf der Jobsuche
In Österreichs Klein- und Mittelbetrieben (KMU) herrscht bereits ein ausgeprägtes Bewusstsein über die aktuelle Wirtschaftskrise. Fast alle Unternehmen planen Gegenmaßnahmen gegen das drohende Umsatzminus und kommen dabei laut einer Umfrage des Kreditschutzverbandes von 1870 (KSV) hauptsächlich zu traditionellen Lösungen, wie Ankurbelung des Vertriebes oder die Erschließung neuer Absatzmärkte. Aber auch der Abbau von Personal ist geplant.
95,7 Prozent der von Mitte Februar bis Mitte März Befragten 1.900 KSV-Kunden rechnen mit negativen Auswirkungen der Krise. 51,6 Prozent schätzen die Geschäftslage derzeit aber noch als sehr gut oder gut ein, für 13,1 Prozent ist die Lage bereits mangelhaft bzw. ungenügend, so der KSV in einer Aussendung.
An negativen Auswirkungen rechnen die KMUs vor allem mit Kundenausfällen (59 Prozent), höherem Preisdruck (57,3 Prozent) und einem stagnierenden oder rückläufigen Neukundengeschäft (47,4 Prozent). Rund ein Drittel geht auch davon aus, dass Kreditbewilligungen schwieriger werden (32,8 Prozent). 25,1 Prozent erwarten zunehmende Finanzierungsprobleme und 21,3 Prozent gehen von steigenden Rohstoffpreisen aus. Der KSV rechnet jetzt damit, dass Lieferantenkredite an Bedeutung gewinnen werden. "Bedingt durch die Krise wird der Wert 2009 voraussichtlich auf 80 bis 85 Mrd. Euro anwachsen", schätzt Vorstand Johannes Nejedlik. 2008 seien es rund 70 Mrd. Euro gewesen.
Personalstand nur vereinzelt verringert
Als eine der Gegenmaßnahmen zur Krisenbewältigung wollen ein Viertel (24,8 Prozent) der Befragten den Personalstand verringern, mehr als die Hälfte wollen ihn unverändert lassen und 17,3 Prozent wollen zusätzliches Personal aufnehmen.
Wie aus einer Umfrage der FH Wien unter 160 Unternehmen hervorgeht, forcieren Personalverantwortliche derzeit vor allem den Abbau von Überstunden und Urlaub. Gespart wird auch bei Firmenfeiern, Beratungsaufträgen, Lehrgängen und Seminaren. 31 Prozent haben bereits Kündigungen ausgesprochen und 13 Prozent Kurzarbeit eingeführt.
Um die Auswirkungen der Krise zu dämpfen, werden fast alle vom KSV befragten KMU (95,6 Prozent) strategische Maßnahmen setzen. Im Vordergrund stehen dabei die Erschließung neuer Märkte, mehr Informationen über Geschäftspartner, neue Produkte aber auch die Anpassung der Finanzstrukturen und Produktionsprozesse. Ein Drittel der Befragten will Innovationsvorhaben aufschieben.
Optimierung im Visier
Bei den operativen Maßnahmen, die 96,2 Prozent setzen wollen, stehen an vorderster Stelle die Ankurbelung des Vertriebes und die Optimierung von Lieferanten und Einkauf. Fast die Hälfte der KMU's will zudem die Außenstände reduzieren, Kostensenkungsprogramme einführen, ein Drittel will die Personalkosten runter fahren. An neuen Bankkrediten zeigen sich 15,4 Prozent interessiert, an Preissenkungen zur Krisenbewältigung denken nur 7,6 Prozent. Als bedenklich stuft der KSV ein, dass die 87 Prozent der Befragten das momentane Ausfallrisiko ihrer Kunden und Lieferanten als äußerst gering oder gering einschätzen, und die Bonität der Geschäftspartner nur fallweise überprüfen.
Was die zukünftige Geschäftslage angeht, so sehen die Befragten für ihr Unternehmen nicht allzu schwarz. Sie rechnen zwar mit einer Verschlechterung der Geschäftslage, das dicke Ende sollte aber ausbleiben: 39,7 Prozent glauben, dass sich ihr Geschäft im laufenden Jahr sehr gut/gut entwickeln wird, 43,8 Prozent rechnen mit einer befriedigenden Entwicklung und 16,5 Prozent erwarten mangelhafte/ungenügende Ergebnisse.
(apa/red)
