Sonntag, 3. Mai 2009

Fiat-Konzern will auch Opel übernehmen:
Deutsche Regierung stellt jetzt Bedingungen

  • Minister Guttenberg verlangt langfristiges Konzept
  • Fiat war zuvor bereits bei Chrysler eingestiegen

Die deutsche Regierung hat Bedingungen für eine Übernahme des angeschlagenen Autobauers Opel durch den italienischen Fiat-Konzern gestellt. Vor dem Treffen mit Fiat-Chef Sergio Marchionne sagte Deutschlands Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zur "Bild am Sonntag": "Jeder Interessent an Opel muss ein Konzept vorlegen, das langfristig trägt. Auf finanzielle Abenteuer zu Lasten des Steuerzahlers dürfen wir uns nicht einlassen. Das Konzept muss klar machen, dass die Opel-Standorte in Europa, die erhalten werden sollen, dadurch langfristig gesichert sind."

Eine staatliche Beteiligung an Opel bleibe für ihn nicht vorstellbar. Es könne höchstens um eine zeitlich begrenzte Verbürgung von Darlehen gehen, fügte Guttenberg hinzu.

Nach seinem Einstieg bei Chrysler will Fiat bereits zu Wochenbeginn mit der deutschen Regierung über Opel verhandeln. Fiat-Chef Marchionne werde dazu Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Guttenberg treffen, erklärten die Ministerien.

Laut "Wirtschaftswoche" hat Marchionne bereits ein Angebot für den Rüsselsheimer Autobauer vorgelegt, das aber unter einer Milliarde Euro liege und der Opel-Mutter General Motors zu niedrig sei. Opel sucht händeringend nach Investoren, um sich von seiner von der Insolvenz bedrohten Mutter zu lösen. Die deutsche Regierung hat dabei Kredithilfen zugesagt.

"Idealer Partner"
"Der Einstieg bei Opel wäre für uns eine außerordentliche Chance", sagte Fiat-Präsident Luca Cordero di Montezemolo im Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera". "Opel wäre ein idealer Partner, eine sehr starke Autogruppe könnte entstehen. Wir wissen, welche Karten wir haben und wir werden sie spielen", sagte der seit 2004 amtierende Fiat-Präsident.

"Wir sind über das Abkommen mit Chrysler und die Worte von US-Präsident Barack Obama sehr stolz. Es handelt sich um eine große Herausforderung, aber auch um eine unglaubliche Chance. Die wahre Arbeit wird jetzt beginnen. Das Abkommen mit Chrysler öffnet uns zum ersten Mal die Tore zum größten Markt der Welt. Ein Auto wie der '500' kann auch in den USA zu einem Symbol werden", meinte Montezemolo.

Der Fiat-Präsident versicherte, dass die Expansion in den USA nicht zu einer Schließung italienischer Produktionswerke führen wird, wie die italienischen Gewerkschaften befürchten. "Keine Sekunde lang werden wir unsere Verpflichtungen gegenüber Turin, Italien und unseren Mitarbeitern vergessen", versicherte Montezemolo.

(apa/red)

3.5.2009 16:13