Wiener Flughafen erwartet Turbulenzen:
Herbert Kaufmann im Interview mit NEWS
- Der Airport-Chef über die AUA & den neuen Terminal
- Derzeit kein Stellenabbau am Standort zu befürchten

·AUA kämpft mit Passagierrückgang
Zahl der Fluggäste um 16,5 Prozent gesunken
·AUA-Bruchpilot
Ötsch in der Klemme
FORMAT: Verdacht der
Bilanzfälschung erhärtet
Der Flughafen Wien, bislang steiles Wachstum gewohnt, muss sich wegen der Krise auf handfeste Passagierrückgänge einstellen. Dazu werden die Kosten für den neuen Terminal "Skylink" stark überzogen. Wie der Airport diese Herausforderungen zu meistern gedenkt, erklärt Flughafen-Boss Herbert Kaufmann im NEWS-Interview.
NEWS: Noch 2008 galt die Bewältigung des Wachstums als Herausforderung für den Flughafen. Sind Sie auf den krisenbedingten Rückgang vorbereitet?
Herbert Kaufmann: Wir sind gut vorbereitet. 2008 war ein Rekordjahr für uns. 2009 werden wir bei den Passagieren rund neun Prozent weniger haben.
NEWS: Was bedeutet das?
Kaufmann: Wir erwarten heuer rund 18 Millionen Passagiere nach 19,7 Millionen in 2008. Das liegt in der Nähe des Niveaus von 2007, also recht hoch.
NEWS: Was heißt dies für Ihre langfristige Strategie?
Kaufmann: Die Luftfahrt bleibt eine Wachstumsindustrie. Wir gehen davon aus, dass wir im Jahr 2020 im Schnitt 33 Millionen Passagiere haben. Darauf bereiten wir uns vor.
NEWS: Müssen Sie Jobs abbauen?
Kaufmann: Aus derzeitiger Sicht nicht. Wir kürzen Überstunden, bauen Urlaub ab und besetzen teilweise nicht nach.
NEWS: Wenn Lufthansa bei der AUA-Übernahme scheitert?
Kaufmann: Das gibt ein ordentliches Problem. Der Flughafen Wien ist ein Drehkreuz, ein Umstiegs-Flughafen. Wenn die AUA alleine fliegt, steht diese Funktion und damit ein Viertel der Passagiere infrage.
NEWS: Der im Bau befindliche Flughafenterminal Skylink sorgt wegen enormer Kostenüberschreitungen für Diskussion.
Kaufmann: Die zuständigen Projektverantwortlichen und der Baubereich haben Fehler gemacht. Man hat die Konsequenzen gezogen, und es gibt einen neuen zuständigen Vorstand und eine neue Projektleitung. Der Bericht von Gobiet & Partner sagt, dass die projektierten Plankosten 830 Millionen Euro sind. Dabei gibt es erhebliches Verbesserungspotenzial, es können aber auch weitere Risiken von bis zu 64 Millionen Euro nicht ausgeschlossen werden.
NEWS: Gibt es Konsequenzen wegen der Kostenüberschreitung?
Kaufmann: Nachdem wir die Projektleitung ausgetauscht haben, geben wir, der Vorstand, einen Prüfbericht in Auftrag, der klären soll, wie es zu diesen Überschreitungen gekommen ist.
Markus R. Leeb

