Donnerstag, 30. April 2009

Dichand will sich Krone alleine aufsetzen:
WAZ-Ausstieg kann Medien-Beben auslösen

  • FORMAT: Deutscher Konzern feilscht noch um Preis
  • Dichand-Familie plant eine Loslösung vom „Kurier“

Die deutsche WAZ verlangt für ihre „Krone“-Anteile rund 220 Millionen Euro. Hans Dichand will deutlich weniger zahlen. Dennoch könnte der Medien-Deal des Jahres bald gelingen.

Hans Dichand hat ein großes Ziel: Er will wieder 100 Prozent an seiner „Krone“. Jahrelang kämpfte er mit dem Hälfteeigentümer, der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). Die Kontrahenten stritten über die Bestellung von Chefredakteuren, sie zerrten sich gegenseitig vor das Schiedsgericht. Dichand plante gar einen Börsengang, um den ungeliebten Partner auskaufen zu können. Aber keiner konnte die Pattstellung aufbrechen. Die Einschätzung der meisten Beobachter: Letztlich werde die WAZ Hans Dichand überleben und die Macht übernehmen.

Doch nun arbeitet die Zeit für den betagten Medienzaren. Die Deutschen wollen raus, der Preis wird niedriger, je länger die Krise dauert. Nie war Dichand so nahe dran, das Gezerre um Österreichs einflussreichste Tageszeitung für sich zu entscheiden.

Medien-Erdbeben
Der heimischen Medienlandschaft steht ein Erdbeben bevor. Die „Krone“ ist über die gemeinsame Tochter Mediaprint mit dem „Kurier“ verbunden, dessen Gesellschafter Raiffeisen und ebenfalls die WAZ sind. Wenn sich diese Konstellation ändert, muss sich auch Raiffeisen neu aufstellen. Mitbewerber wie der Styria Verlag oder die Tiroler Moser Holding scharren in den Startlöchern. Die Familie Dichand bleibt in der Deckung und lässt nur verlauten, „dass schon seit einem Jahr geredet wird. Es gibt nichts Neues.“ In Wahrheit wird aber schon konkret um den Preis gefeilscht. 300 Millionen Euro wollte die WAZ für die halbe „Krone“ zu Beginn der Überlegungen. Beim Einstieg 1989 hatten die Deutschen umgerechnet 160 Millionen gezahlt. Die letzte Preisvorstellung der WAZ ist wenige Tage alt und liegt mittlerweile bei rund 220 Millionen, verlautet aus Deutschland.

Rückgang der Gewinne
Immer noch sehr viel Geld. Denn der Gewinn der Mediaprint, wo die Geschäfte von „Krone“ und „Kurier“ zusammenlaufen, sackte zwischen 2006 und 2008 um 47 Prozent ab: auf 18,8 Millionen Euro. Die Rückgänge der Werbeerträge bei den Printmedien und der Start der Boulevardzeitung „Österreich“ 2006 lassen auch das Bollwerk „Krone“ nicht unberührt. Die Mediaprint-Profite werden im Verhältnis 70:30 aufgeteilt, womit zuletzt 13,2 Millionen Euro auf die „Krone“ entfielen. Für die WAZ ergibt das eine magere Rendite, auch weil Hans Dichand vertragsgemäß Jahr für Jahr 8,5 Millionen Euro Vorabgewinn kassiert. Dem Medienkonzern aus Essen bleiben für 2008 gerade noch 2,1 Millionen aus der Mediaprint-Ausschüttung. Dazu kommen die 50 Prozent aus der Krone Vermögensverwaltung, wo die diversen Beteiligungen gebündelt sind (z. B. Krone Hitradio). Auch der Profit dieser Gesellschaft halbierte sich innerhalb eines Jahres von 24 auf 11,6 Millionen Euro (2007).

Konservativer Medienverbund
Für den Fall, dass die Mediaprint-Struktur zerfällt, hat Christian Konrad einen Plan B in der Schublade. Aus den Bundesländern kommt die Idee eines bürgerlichen Medienverbunds, bei dem der „Kurier“ als Partner willkommen wäre. Der Chef der Moser Holding (u. a. „Tiroler Tageszeitung“), Hermann Petz, hat den Raiffeisen-General schon darauf angesprochen. Angeblich wäre auch der Styria Verlag (u. a. „Kleine Zeitung“) interessiert. Auf diese Weise könnte ein neuer Zusammenschluss nach dem Muster der Mediaprint entstehen. Hans Dichand stünde dann alleine da, wie er sich das zum Ziel gesetzt hat. In einem schrumpfenden Markt könnte so ein Alleingang aber schwieriger werden als gedacht.
Von Andreas Lampl und Ashwien Sankholkar

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30.4.2009 14:18