Österreichs Bauern ringen um Existenz:
Tausende protestierten für bessere Preise
- Landwirte gingen in Linz und Innsbruck auf Straße
- Sprechchöre: "Lebt der Bauer, lebt das Land"

Mit der Forderung nach besseren Preisen für ihre Erzeugnisse und Leistungen sind Bauern in Linz und Innsbruck auf die Straße gegangen. In Linz haben sie um die Konsumenten als Verbündete geworben, im Einsatz waren dazu auch Kühe, Traktoren, Salzstangerl und Milchprodukte, die gratis verteilt wurden. Die Linzer Kundgebung am Hauptplatz wurde vom ÖVP-Bauernbund organisiert.
Beim Linzer Aufmarsch waren Sprechchöre wie "Lebt der Bauer lebt das Land, lebt das Land lebt die Wirtschaft, lebt die Wirtschaft leben wir alle" zu hören. Auf der Forderungsliste standen neben gerechten Preise unter anderem mehr Geld für die Bewerbung von österreichischen Produkten und ein Verbot von Kunstkäse. Von der Europäische Union wird mehr Selbstbestimmung in der Agrarpolitik und eine klare Produktkennzeichnung gefordert.
Tausende gingen auf Straße
Die Organisatoren der Demonstration schätzten die Teilnehmerzahl auf rund 4.000, die Polizei ging von etwa 2.000 aus. Die SPÖ-Bauern kritisierten in einer Presseaussendung, die Demonstration am Hauptplatz diene rein populistischen Zwecken und helfe den Bauern nichts.
In Innsbruck haben sich bei einer Kundgebung der Interessengemeinschaft Milch vor dem Landhaus in Innsbruck rund 100 Teilnehmereingefunden, um einen fairen Milchpreis für die Erzeuger einzufordern. 10 Cent mehr pro Liter, sprich 47 Cent, seien notwendig, um kostendeckend zu produzieren. Die Bauern verlangten deshalb eine flexible Mengenregulierung für die Milchanlieferung. Wenn weniger Nachfrage am Markt herrscht, sollen die Erzeuger auch weniger produzieren dürfen, um einen Preisverfall zu verhindern. Für kommenden Mittwoch planen die Milchbauern in ganz Europa Protestfahrten, auch in Wien findet eine Sternfahrt zum Parlament und anschließend zum Landwirtschaftsministerium statt.
Müll doppelt so teuer wie Getreide
Landesbäuerin Annemarie Brunner rechnete vor: "Eine Tonne Müll kostet doppelt so viel wie eine Tonne Getreide - da stimmt etwas nicht". Und auch der Landesobmann des Bauernbundes und Präsident der Landwirtschaftskammer, Hannes Herndl, kritisierte die schlechten Rahmenbedingungen für die heimischen Landwirtschaftsbetriebe: "Wenn weiter nur die Gewinnmaximierung das oberste Ziel ist, dann hat Landwirtschaft keine Zukunft mehr." Die Kritik richtete sich unter anderem gegen die Handelsbetriebe, der Appell - österreichische Qualität zu kaufen - ging an die Adresse der Konsumenten.
Mehr EU-Subventionen gefordert
Angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage in der Landwirtschaft fordern der österreichische Bauernbundpräsident Fritz Grillitsch und der Chef des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, Hilfe für die Betroffenen. Die Situation gehe auf eine rückläufige Nachfrage und nicht auf Überproduktion zurück, sagten die Bauernvertreter unisono beim gemeinsamen Gipfelgespräch.
2009 könnte für Milcherzeuger, aber auch für manch anderen landwirtschaftlichen Betrieb zu einem verlustreichen, zum Teil sogar existenzgefährdenden Jahr werden, warnten die Präsidenten. Daher seien die EU als auch die Mitgliedsstaaten gefordert, "alle ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten voll auszuschöpfen". Darüber hinaus sollen Liquiditätsengpässe vermieden und Kostenentlastung herbeigeführt werden. Wichtig sei nun, die Nachfrage anzukurbeln. Die EU müsse Interventionen, Absatzhilfen und Exportförderung ausreizen, um den Milchproduzenten zu helfen. (apa/red)

