Mittwoch, 29. April 2009

Unbelohntes Klassespiel gegen Russland: Gastgeber Schweiz träumt von Medaille

  • Eidgenossen für Vanek im Eishockey ein Vorbild

Für Thomas Vanek sind die Schweizer im Eishockey ein Vorbild. In zweierlei Hinsicht, was einander aber wohl bedingt. Vanek nannte die Ausländerregelung der Eidgenossen mit maximal vier Legionären pro Spiel als gutes Beispiel auch für Österreich, zudem blickte er mit Wehmut zur Schweizer Nationalmannschaft, die sich als Top-8-Nation etabliert hat.

Einen Eindruck davon erlebte man in Bern zum Abschluss der Vorrunde, als die "Nati" Weltmeister Russland voll forderte und erst nach mitreißender Partie mit 2:4 unterlag.

Der sportliche Aufstieg der Schweizer ist eng mit dem Namen Ralph Kruger verbunden. Der Deutsch-Kanadier übernahm die "Nati" 1997 als Nebenjob, noch ehe er 1998 mit der VEU Feldkirch sensationell die Euroliga gewann. Die Eidgenossen waren damals auf Augenhöhe mit den Österreichern, pendelten zwischen der A- und B-Gruppe. Sie hatten vier Jahre lang kein entscheidendes Spieler gewonnen, waren 1993 und 1995 abgestiegen und hatten 1996 den Aufstieg nicht geschafft. Zweimal verloren die Schweizer auch entscheidend gegen Österreich. Bei der WM 1995 in Schweden in der Relegation mit 0:4 und 4:4, bei der Olympia-Qualifikation im Februar 1997 holte sich die ÖEHV-Auswahl durch ein 2:0 im Entscheidungsspiel das Ticket für Nagano.

Doch mit dem Motivationskünstler Krueger kehrte der Erfolg ein. Grundlage ist aber die gute Arbeit in der Nationalliga. Vor rund 15 Jahren wurden Reformen beschlossen, die Legionärsplätze wurden reduziert, die Nachwuchsförderung ernst genommen. Langnau etwa, der Arbeitgeber von ÖEHV-Teamstürmer Oliver Setzinger, investiert jährlich rund 600.000 Euro in seine Talente, hauptamtliche Nachwuchstrainer sind in der Schweiz selbstverständlich.

Das Ergebnis zeigt sich bei der "Nati", die in elf Jahren unter Krueger achtmal das WM-Viertelfinale erreicht hat. Bei der bisher letzten Heim-WM 1998 schafften es die Eidgenossen sogar bis ins Halbfinale, heuer wurde vom Verband eine Medaille ("go for a medal") als Ziel ausgegeben. Hochgesteckt, aber wer den Weltmeister beherrscht, kann damit spekulieren. "Die Schweizer haben uns träumen lassen", meinte daher auch "Le Matin" nach der Gala gegen Russland.

Im Spielerlager reagierte vorerst aber die Enttäuschung über die knapp verpasste Sensation. "Wir wollten diese Partie unbedingt gewinnen, auch wenn ein Sieg gegen Russland für den weiteren Turnierverlauf nicht von größter Bedeutung ist. 39 Torschüsse gegen einen Gegner dieses Formats ist im Moment sehr gut. Dies gab es in meiner Amtszeit noch nie. Und deshalb tut die Niederlage auch so weh. Aber wenn wir darüber geschlafen haben, werden wir über die Leistung smilen können", erklärte Krueger.

(apa/red)

29.4.2009 16:46