Mittwoch, 29. April 2009

Disziplin siegte über Spielkunst: Barcelonas
Angriff zerbröckelte am Beton von Chelsea

  • Katalanen haderten nach 0:0 mit Schiedsrichter
  • Chelsea-Coach Hiddink zufrieden mit Leistung

Der nichtenglische Solist im Semifinale der Champions League hat im Kampf gegen das britische Empire einen kleinen Dämpfer erhalten. Die favorisierte Spielkunst des FC Barcelona ist vorerst am Beton des FC Chelsea zerbröckelt. Messi, Henry, Eto'o und Co. blieben mit dem 0:0 im Hinspiel erstmals seit 23. April 2008 in einem Pflichtspiel im Camp Nou ohne Tor. Erinnerungen an ManU werden wach.

Der Titelverteidiger erreichte vor einem Jahr in Barcelona ebenfalls in der Vorschlussrunde ein torloses Remis und schaffte dann im Rückspiel durch ein 1:0 den Aufstieg ins Moskauer Finale gegen Chelsea. Der Glaube an den dritten Coup in der Meisterklasse nach 1992 und 2006 ist in Barcelona dennoch ungebrochen. "Wir können auswärts immer Tore erzielen. Wir wollen an der Stamford Bridge ein Spektakel zeigen, werden weiter angreifen", kündigte Josep Guardiola an.

Seine "Künstler" hatten in den 90 Minuten alles versucht, aber ihre Kurzpassspiel war immer wieder in der engmaschigen Verteidigung der "Blues" hängen geblieben. Die Londoner zeigten taktisch perfektes Abwehrverhalten, standen meist sicher, verschoben gut und machten die Räume dadurch eng. Die Hausherren hatten es immer wieder durch die Mitte versucht, wo es aber ebenso kaum ein Durchkommen gab wie auf den Flanken.

"Müssen uns nicht schämen"
"Wir müssen uns nicht schämen. Es ist immer schwer, gegen eine Mannschaft zu spielen, die mit sechs körperlich starken Verteidigern agiert und nicht versucht, Fußball zu spielen", meinte Guardiola.

Solche Partien würden durch Kleinigkeiten entschieden und die wären Spiel diesmal eben nicht nach Wunsch gelaufen. Dazu zählte für Guardiola auch der deutsche Schiedsrichter Wolfgang Stark. Die Gelben Karten für Puyol und Yaya Toure wären falschen gewesen, regte sich der Trainer auf.

Stattdessen hätte Chelsea-Legionär Michael Ballack für sein Foul an Andres Iniesta ausgeschlossen werden müssen. "Das war skandalös, der Deutsche hätte von seinem Landsmann ganz klar zum zweiten Mal gelb sehen müssen", schimpfte Guardiola wie ein Rohrspatz und fand nicht nur in Barca-Legende Johan Cruyff einen Verbündeten. Der Niederländer schrieb in seiner Kolumne in der Zeitung "El Periodico de Catalunya": "Der Referee benachteiligte das Team, das spektakulären Fußball bieten wollte. Damit wurde er zu einem Komplizen der Chelsea-Strategie"

Hiddink zufrieden
6:1 Torschüsse, 10:2 Eckbälle und 65:35 Prozent Ballbesitz - die Bilanz nach dem Schlußpfiff für Guardiolas Mannen. Diese Zahlen störten Guus Hiddink, der 1988 mit PSV Eindhoven die Meistertrophäe gewann, nicht sonderlich. Der Chelsea-Coach war mit dem 0:0 sehr zufrieden. "Wenn man sich die jüngsten Resultate Barcas ansieht, muss man das auch sein", sagte der Niederländer, der von einem taktisch disziplinierten Leistung seiner Schützlinge sprach und nur zu viele leichte Ballverluste in der ersten Hälfte bemängelte.

Gefallen hat ihm auch, die Art und Weise wie Messi, den man vielleicht einmal, aber nicht zweimal neutralisieren könne, in Schach gehalten worden war. Bosingwa, der den gesperrten Ashley Cole ersetzt hat, habe auf der linken Seite einen guten Job gemacht. "Malouda auf der Seite und die Nebenleute im Zentrum haben ihn dabei gut unterstützt", lobte der Trainer-Fuchs, der genau weiß, dass in einer Woche eine Steigerung her muss, um wie im Vorjahr ins Finale einzuzeihen.

Die Chancen auf den Aufstieg schätzt Hiddink mit 50:50 ein. "Weil es heute keinen großen Unterschied macht, ob man auswärts oder daheim spielt, ist noch nichts entschieden. Doch haben wir gegen eine gute Mannschart ein gutes Ergebnis geholt", sagte der Niederländer. An der Stamford Bridge ist im Rückspiel jedes Remis ab 1:1 aufgrund der Auswärtstore eine Niederlage. Soll es zu keinem Elferschießen kommen, dann müssen Drogba und Co. unbedingt in 90 Minuten oder einer Verlängerung treffen.

(apa/red)

29.4.2009 15:05