Mittwoch, 29. April 2009

"Pizzagate" und legendäre Rivalität: ManU gegen Arsenal Duell Ferguson gegen Wenger

  • Streit der Coaches jahrelang Stoff für Gazetten
  • Reich sind die Anekdoten der verbalen Scharmützel

Schuld waren eigentlich die Italiener. Als Manchester-United-Legende Alex Ferguson - seit 1999 immerhin ein Sir - nach einer Niederlage Arsenals im Old Trafford im Oktober 2004 mit Italiens Leibspeise beworfen wurde, hatte die Rivalität mit Gegenpart Arsene Wenger im "Pizzagate" ihren Höhepunkt erreicht. "Friedensgespräche" über Mittelsmänner beider Clubs folgten, hochrangige Polizeibeamte sprachen von "unverantwortlichem Verhalten" der Coaches und mahnten zur Mäßigung. Am Ende freute sich Jose Mourinho, der als lachender Dritter mit Chelsea den Titel holte.

Vor dem Halbfinal-Hinspiel der Champions League wollten die aktuell längstdienenden Premiere-League-Coaches den in England schon legendären Konflikt vergangener Tage nicht erneut in den Vordergrund rücken. "Diese Rivalität ist seit zwei Jahren weg, weil wir nicht gut genug waren", gab Wenger im Vorfeld der Partie zu - und ließ damit die Frage offen, ob ein neuerlicher Schlagabtausch auf sportlicher Augenhöhe seine Aversionen gegen Ferguson nicht wieder entflammen könnte.

Reich sind die Anekdoten der verbalen Scharmützel zwischen zwei grundsätzlich unterschiedlichen Charakteren - dem aufbrausenden Schotten aus Glasgow und dem oft als Kosmopolit bezeichneten Franzosen aus Straßburg. "Sie sagen, er ist ein intelligenter Mann, stimmt? Spricht fünf Sprachen! Ich habe einen 15-jährigen Burschen von der Elfenbeinküste, der fünf Sprachen spricht", hatte der streitbare Ferguson kurz nach dem Amtsantritt des weitgehend unbekannten Elsässers im Jahr 1996 erklärt. Und damit die Basis für eine jahrelang geführte Fehde gelegt.

Endgültig entluden sich die Gemüter auf dem Weg zum bisher letzten Meistertitel der "Gunners" in der Saison 2003/04. Tumulte im Spielerausgang nach einem 0:0 im Old Trafford im Oktober 2003 sorgten für Sperren einiger Arsenal-Kicker. Als "Mob", der "trotz Mord davongekommen ist", bezeichnete der seit 1986 bei ManU engagierte Ferguson vor dem Aufeinandertreffen ein Jahr nach dem Spiel das Team von Arsenal, woraufhin der acht Jahre jüngere Wenger nachlegte: "Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn er uns gegen die Wand gestellt und erschossen hätte."

Legendäres "Pizzagate"
Eine damals 49 Spiele ungeschlagene Arsenal-Elf verlor 0:2, beim Abgang in die Kabinen folgte dank der Treffsicherheit von Cesc Fabregas "Pizzagate" - und Englands Gazetten und TV-Stationen hatten ihre Skandalstorys. Er werde "nie wieder ein Wort über diesen Mann verlieren", erklärte Wenger, der damals mit erhobenen Fäusten auf Ferguson zugestürmt sein soll. Vor dem nächsten Aufeinandertreffen im Februar 2005 beschimpften einander beide Coaches via Medien wochenlang, ehe Liga-Offizielle und sogar der britische Sportminister einschritten und einen Waffenstillstand einforderten. Inzwischen haben sich die Gemüter beruhigt.

Auch, weil Arsenal im englischen Titelrennen nicht mehr jene Rolle wie noch vor einigen Jahren spielt. Ferguson fand im ebenso streitbaren Chelsea-Coach Jose Mourinho einen neuen Reibebaum, nun ist Liverpool-Trainer Rafael Benitez auf den 67-Jährigen nicht gut zu sprechen. Freunde werden Ferguson und Wenger zwar keine mehr, für ein Gläschen Wein habe es laut Auskunft der beiden Star-Trainer aber schon gereicht. Oder wie es der Franzose vor dem Aufeinandertreffen im Champions-League-Halbfinale formulierte: "Unser Respekt (füreinander, Anm.) wird diese zwei Spiele überleben. Das ist ein Privileg des Älterwerdens."

(apa/red)

29.4.2009 15:06