Internationale Proteste gegen den Iran: Junge Frau wegen Mordes hingerichtet
- EU sieht darin grobe Menschenrechtsverletzung
- Iranerin zum Zeitpunkt der Tat noch minderjährig
Die Europäische Union hat die Hinrichtung einer wegen Mordes zum Tode verurteilten 23-jährigen Iranerin als Menschenrechtsverletzung scharf verurteilt. Die Künstlerin Delara Darabi sei zum Zeitpunkt der Tat erst 17 gewesen. Ihre Hinrichtung verstoße damit gegen internationale Verpflichtungen, die der Iran freiwillig eingegangen sei, hieß es in einer Erklärung der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft.
Darabi starb nach sechs Jahren Haft im Gefängnis der Stadt Rasht am Galgen, obwohl die Behörden einen Aufschub gewährt hatten. Die EU forderte den Iran gleichzeitig auf, die Todesstrafe für Jugendliche nicht anzuwenden. Die EU hatte wiederholt gegen die geplante Hinrichtung protestiert.
Mit diesem "zynischen Schachzug" habe der Iran anscheinend versucht, nationalen und internationalen Protesten zuvorzukommen, verurteilte auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International die Exekution. Darabi sei exekutiert worden, obwohl der Chef der Justiz ihr zuvor einen zweimonatigen Aufschub der Hinrichtung gewährt habe. Der Iran hat unter anderem die UNO-Kinderrechtskonvention unterzeichnet, wonach Hinrichtungen nicht erlaubt sind, wenn die zugrundeliegende Tat noch vor dem achtzehnten Geburtstag begangen wurde.
Unschuldig hingerichtet?
Darabi war für schuldig befunden worden, 2003 einen Cousin ihres Vaters ermordet zu haben. Zunächst hatte sie das Verbrechen laut Amnesty in dem Glauben gestanden, damit ihren damals bereits volljährigen Freund vor dem Strang bewahren zu können. Später hatte sie ihr Geständnis widerrufen und beteuert, sie sei unschuldig. Ihr Freund wurde wegen Komplizenschaft zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.
Amnesty nannte das Verfahren unfair. Das Gericht habe Beweise nicht in Betracht gezogen, die nach Angaben der Verteidigung belegen, dass sie die Tat gar nicht habe begehen können. Während der Jahre in Haft hatte die junge Frau mit ihren ausdrucksstarken Kunstwerken auch international für Aussehen gesorgt.
Grobe Rechtsverletzung
Die Vollstreckung der Todesstrafe an minderjährigen Tätern sei eine grobe Verletzung internationalen Rechts, protestierte auch der Anwalt Darabis, Mohammad Mostafaei, der nach eigenen Angaben nicht dem Gesetz folgend 48 Stunden vor der Vollstreckung des Todesurteils benachrichtigt worden war. Die Familie habe zudem entgegen geltendem iranischen Recht nicht von ihrer Tochter Abschied nehmen dürfen, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Darabi habe ihre Familie erst Minuten vor der Hinrichtung anrufen dürfen. "Oh Mutter, ich sehe die Schlaufe des Henkers vor mir. Sie werden mich hinrichten. Bitte rette mich", sagte die junge Frau laut dem Anwalt.
Der Iran ist hinter China das Land, in dem die meisten Todesurteile vollstreckt werden. Zudem werden im Iran mehr Jugendliche hingerichtet als in allen anderen Ländern der Welt: Acht im vergangenen Jahr und insgesamt 42 seit 1990. Außer im Iran gibt es auch in Saudi-Arabien, im Jemen, in Pakistan und im Sudan vereinzelt Hinrichtungen von unter 18-Jährigen. Darabi war laut Amnesty die zweite Frau, die seit Anfang dieses Jahres im Iran hingerichtet wurde.
(apa/red)
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