Schweinegrippe-Pandemie: Jeder Zweite könnte sich mit dem neuen Virus infizieren
- ECDC: Bis zu 35 Prozent könnten dann erkranken
- Österreich: Mexiko-Reisende werden ab jetzt betreut
IHRE MEINUNG: Haben Sie Angst vor dem Virus?
·Schweinegrippe hat jetzt Asien erreicht
Zahl der Neuinfektionen in Mexiko ist gesunken
·Neuer Verdachtsfall zur Schweinegrippe
Ö: Laboruntersuchungen sollen Klarheit bringen
·Die sechs Epidemie-
Warnstufen der WHO
Stufe sechs wäre ein globaler Grippe-Ausbruch
·10 wichtige Fragen zur Schweinegrippe
Wie gefährlich es ist
und wie man sich schützt
·Moslems erklären
Schweinen den Krieg
Ägypten ordnet Tötung von 350.000 Tieren an

Sollte sich die Schweinegrippe zu einer weltweiten Pandemie ausbreiten, könnte jeder Zweite infiziert werden. Bis zu 35 Prozent der Weltbevölkerung könnten dann tatsächlich krank werden. Das schätzt das Europäische Zentrum für Krankheitskontrolle (ECDC).
Die Experten haben Abschätzungen aufgrund der Erfahrungen mit vergangenen Influenza-Pandemien gemacht. 1918 verursachten H1N1-Viren bis zu 50 Millionen Todesfälle ("Spanische Grippe"). 1957 kam dann H2N2 ("Asiatische Grippe") mit mindestens einer Million Toten, ab 1968 dann H3N2 ("Hongkong-Grippe") mit ebenfalls einer Million Opfern. 1977 gab es beispielsweise eine H1N1-Influenza-Welle, welche die Welt ergriff. Die neuen H1N1-Viren sind eine andere Art dieses Typs.
Angus Nicoll, Chef des Influenza-Programm des ECDC: "Aus den früheren Pandemien kann man die Anteile und die Prozentsätze der Infizierten und Erkrankten errechnen. Das ist die beste Methode. Bei einer solchen neuen Influenza haben die meisten von uns keine Immunität." Man wisse aber derzeit nicht, inwieweit eine zumindest teilweise Immunität gegen die neuen A(H1N1)-Viren in der Bevölkerung nicht doch gegeben sein könnte.
Kommt es zu einer Influenza-Pandemie, gehen Nicoll und seine Kollegen aufgrund der Erfahrungen von 1918/1919, 1957 und 1968 von folgenden Zahlen aus: "Ein Drittel der Infizierten dürfte keine Symptome bekommen. In etwa zwischen 25 und 35 Prozent werden wirklich krank. Das macht zusammen eine Infektionsrate von rund 50 Prozent in der Bevölkerung. Vier Prozent der Erkrankten würden wahrscheinlich von einem Spitalsaufenthalt profitieren. Pandemien haben zumeist einen scharfen Gipfel. Am Höhepunkt könnten dann zehn bis zwölf Prozent der Bevölkerung krank sein."
Nur wenige Todesfälle erwartet
Ein kleiner Anteil der Erkrankten dürfte schließlich sterben. Nicoll: "In der letzten Influenza-Pandemie waren das zwei von Tausend. Bei der Spanischen Grippe waren es zwei bis drei Prozent, ein außergewöhnlich hoher Anteil." Eine Pandemie könne lokal aber auch sehr unterschiedlich verlaufen.
In Entwürfen zum nun geltenden österreichischen Pandemieplan waren ehemals noch folgende Abschätzungen enthalten: Bei keiner medikamentösen Prophylaxe und keiner ursächlichen Therapie ging man davon aus, dass bei einer Pandemie in Österreich fast 53 Prozent aller Arztkonsultationen durch die Influenza bedingt sein würden. 1,5 Prozent der Erkrankten müssten ins Spital. Die Mortalität würde 0,4 Prozent betragen. 30 Prozent Erkrankungsrate würden demnach in Österreich fast 1,3 Millionen Arztkonsultationen, 36.000 Spitalsaufnahmen und 9.672 Todesfälle bedeuten. Bei einer "normalen" saisonalen Influenza in Österreich - wie auch bei jener der vergangenen Wochen - geht man von rund 2.000 bis 4.000 Opfern aus.
Reine Theorie
Doch das sind alles bloß theoretische Berechnungen, die nicht der Realität entsprechen: In Österreich können mittlerweile rund 50 Prozent Bevölkerung mit den antiviralen Mitteln "Tamiflu" bzw. "Relenza" behandelt werden. Das sollte - bei einer Prophylaxe - die Erkrankungsraten drücken und bei Verwendung zur Therapie die Schwere der Erkrankungen deutlich reduzieren. Hinzu kommt, dass Österreich einen Vertrag mit dem Impfstoffhersteller Baxter abgeschlossen hat, der im Fall des Falles 16 Mio. Dosen einer schützenden Vakzine produzieren und bereitstellen soll. Gelingt das bis zum Eintreffen der Krankheitswelle in Österreich, wären nach der Immunisierung der größte Teil der Menschen von vornherein geschützt.
In Österreich werden nun Flugpassagiere aus Mexiko, deren Daten die Fluglinien den Behörden bereitstellen müssen, bei ihrer Ankunft an den Flughäfen informiert und allfälligerweise betreut. Generelles "Screening" nach Erkrankten hält der ECDC-Experte nicht für sinnvoll: "Das hat sich bei SARS als nicht sehr effektiv erwiesen."
(apa/red)
Paketfunde in Kanada10:02
Pornostar als Killer?29-jähriger Luka Magnotta soll Bekanntschaft ermordet, zerstückelt und verschickt haben
Familiendrama in St. Pölten11:38
Gedenkfeier in SchuleLehrer und Schüler nehmen Abschied von getötetem Buben - Kinder psychologisch betreut
