Donnerstag, 30. April 2009

Nach Sprengstoffanschlag mit zehn Toten:
Türkische Lufangriffe auf PKK im Nordirak

  • Kurden-Partei bekennt sich zu Bombenexplosionen
  • Anschlag wiederum eine Reaktion auf Verhaftungen

Die türkische Luftwaffe hat kurdische Stellungen im Nordirak angegriffen. Nach Angaben des türkischen Generalstabs bombardierten Kampfflugzeuge mehrere Ziele in den irakischen Grenzregionen Zap und Avasin-Basyan. Nur wenige Stunden zuvor waren zehn türkische Soldaten bei zwei Bombenexplosionen in der Südosttürkei ums Leben gekommen. Die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) hat sich in einer im Internet verbreiteten Erklärung zur Urheberschaft bekannt. Der Angriff sei auf "Initiative unserer örtlichen Kräfte" erfolgt, die aber ohne Befehl des Hauptquartiers gehandelt hätten, teilte die militärische PKK-Führung mit.

Mit Luftangriffen auf PKK-Stellungen im Irak versucht die türkische Armee regelmäßig zu verhindern, dass kurdische Kämpfer über die Grenze in die Türkei eindringen. Ende Februar 2008 hatte die Türkei eine massive Bodenoffensive auf irakischem Gebiet gegen kurdische Rebellen gestartet.

Spirale der Gewalt
In der PKK-Erklärung hieß es, der Anschlag vom Vortag sei eine Reaktion auf die Verhaftung kurdischer Politiker in der Türkei und auf Misshandlungen. Der Sprengsatz sei neben einer Straße zwischen Diyarbakir und Bingöl gezündet worden, als ein Vorauskommando eines Militärkonvois vorbeifuhr, sagte Generalstabschef Ilker Basbug am Mittwoch. Er bezichtigte die PKK nicht namentlich der Tat. Laut türkischen Medienberichten hatte die PKK jüngst zugesagt, bis zum Sommer keine weiteren Angriffe auf die Armee zu verüben. Die PKK hatte eine einseitige Waffenruhe bis zum 1. Juni verkündet.

Anklagen wegen PKK-Mitgliedschaft
In den vergangenen Wochen waren im Südosten der Türkei Dutzende von Verdächtigen wegen PKK-Mitgliedschaft angeklagt worden, unter ihnen auch hochrangige Mitglieder der legalen Kurdenpartei DTP (Partei für eine Demokratische Gesellschaft), gegen die ein Verbotsverfahren vor dem Verfassungsgerichtshof in Ankara läuft. Bei den jüngsten Kommunalwahlen hatte die Partei ihre Führungsposition in vielen Teilen der Kurdenregion behaupten können.

Angriff der iranischen Armee
Kommunalbeamte in der nordirakischen Kurdenprovinz Sulaimaniya erklärten unterdessen, die iranische Armee habe am Mittwochabend im Bezirk Sarawan unweit der Grenze mehrere Dörfer unter Beschuss genommen. Es sei großer Sachschaden entstanden. Verletzte gab es demnach nicht.

(apa/red)

30.4.2009 13:55