Mittwoch, 29. April 2009

Pakistans Militär mit Offensive gegen die Taliban: Hunderttausende auf der Flucht

  • Internationale Gemeinschaft wird um Hilfe gebeten
  • Aktion nach massivem Druck der USA angeordnet

Die pakistanische Armee hat im Norden des Landes eine weitere Offensive gegen die Taliban begonnen und Stellungen der Aufständischen mit Bodentruppen, Hubschraubern und Kampfjets angegriffen. Armeesprecher Abbas sagte, die Regierung habe die Operation angeordnet. Hunderttausende Zivilisten flüchten vor der Gewaltspirale, örtliche Behörden sprechen gar von einer Million.

Zugleich sei eine andere Offensive beendet worden, bei der seit Sonntag 70 bis 75 Extremisten sowie zehn Angehörige der Sicherheitskräfte getötet worden seien.

Die Taliban waren nach einem Friedensabkommen mit der Regierung von ihrer Hochburg im Swat-Tal in die benachbarten Distrikte Buner und Dir eingesickert. Hunderte schwer bewaffnete Taliban hatten in Buner anschließend die Kontrolle übernommen. Der Distrikt liegt nur 100 Kilometer von der Hauptstadt Islamabad entfernt.

Offensive auf Druck der USA
"Die Gesamtziele der Operation sind es, die Militanten zu eliminieren und aus Buner zu vertreiben", teilte Generalmajor Abbas mit. Nach seinen Angaben operieren 500 Aufständische in Buner, unabhängige Schätzungen gehen dagegen von mehreren tausend Taliban-Kämpfern aus. Die Offensive in Dir hatte nach massivem Druck aus den USA am vergangenen Sonntag begonnen.

Mittlerweile sind hunderttausende Zivilisten im Nordwesten Pakistans auf der Flucht. Das Welternährungsprogramm rechnete mit 600.000 bedürftigen Menschen in der Region, während örtliche Behördenvertreter die Zahl der Vertriebenen auf bis zu eine Million schätzten.

Hilferuf an internationale Gemeinschaft
Regierungsvertreter aus der pakistanischen Grenzprovinz baten die internationale Gemeinschaft bei einem Treffen mit Geberländern und humanitären Organisationen in Genf um Notfallhilfen. Die Taliban und die Regierung haben ein international umstrittenes Friedensabkommen geschlossen, demzufolge in Malakand das islamische Rechtssystem, die Scharia, eingeführt wird. Im Gegenzug sollen die Taliban ihre Gewalt einstellen.

(apa/red)

29.4.2009 10:04