Dienstag, 21. April 2009

Strafanzeige gegen Karl-Heinz Grasser:
Ex-Finanzminister im Visier der Ermittler

  • Vorwurf des schweren Betrugs und Amtsmissbrauchs
  • NEWS: Verhängnisvolle Verbindung zu Julius Meinl V.
    PLUS: Ihre Meinung zur Anzeige gegen Grasser!

Die Urlaubszeit hat sich Karl-Heinz Grasser, 40 Jahre und ehemaliger Finanzminister, auf den wundervollen Malediven wohl anders vorgestellt. Traumwetter, Sonnen, Planschen und Ausspannen über die Osterzeit mit Gattin Fiona Pacifico Griffini-Grasser – so war der Plan. Doch dann kamen die Spielverderber: Vergangenen Mittwoch dementierte Grasser-Sprecher Manfred Lepuschitz eine Zeitungsmeldung, derzufolge Grasser beim Kristallkonzern Swarovski anzuheuern versuchte und dort nicht genommen wurde. Wenig später folgte die nächste Störung. Denn diese Woche ist eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Wien gegen Karl-Heinz Grasser eingegangen.

Das an NEWS ebenso gesandte Schreiben enthält eine Reihe fundiert erscheinender Vorwürfe. Darunter: schwerer Betrug, Amtsmissbrauch, Anstiftung zum Amtsmissbrauch, verbotene Intervention und Steuerhinterziehung. Strafrahmen: bis zu zehn Jahre. Es gilt für den ehemaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser die Unschuldsvermutung. Grasser selbst war für eine Stellung-
nahme nicht erreichbar. Und auch Grasser-Sprecher Lepuschitz hob am Handy nicht ab.

Staatsanwaltschaft ermittelt
Dazu muss man auch sagen, dass prinzipiell jeder Österreicher gegen jede Person eine Anzeige einbringen kann. Damit ist die Schuldfrage noch lange nicht geklärt. Die Bewertung, ob letztlich durch die Staatsanwaltschaft ermittelt und ob auch Anklage erhoben wird, ist ausschließliche Sache des ermittelnden Staatsanwalts.

Verbindung zu Julius Meinl V.
Zudem ist die neue Anzeige noch nicht im staatsanwaltlichen Register eingetragen, wie Michaela Schnell, Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, bestätigt. Dennoch: „Gegen Karl-Heinz Grasser wird ermittelt“, sagt Schnell. Und dies wegen der Berührungspunkte mit Julius Meinl V. Auch die zugespielte Anzeige lehnt sich über weite Strecken an die Connection mit dem feinen Banker und 100-Millionen-Euro-Kautionsmann an. So heißt es unter Punkt 1: „Karl-Heinz Grasser, der ehemalige Finanzminister (Amtszeit: 4. Februar 2000 bis 11. Jänner 2007) und Ex-Manager von Meinl International Power (MIP), hat in seiner Funktion als Minister über Mittelsmänner und Vertraute bei der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) sowie bei der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) für Herrn Julius Meinl V. und seine am österreichischen Markt angebotenen Finanzprodukte als oberstes Organ der Banken- und Finanzmarktaufsicht mehrmals interveniert und Prüfverfahren durch die OeNB und FMA beeinflusst.“

Genau diese Verbindung zwischen Julius Meinl und Karl-Heinz Grasser ist immer äußerst kritisch hinterfragt worden. Auf der einen Seite der Finanzminister, der die gesamte Prüfgewalt für Banken über sieben Jahre hinweg darstellte, und auf der anderen Seite der gewiefte Finanzjongleur, der sein Geld mit Zertifikaten machte und bei allen Vorwürfen gegen seine Finanzprodukte den Stempel und das Okay der Finanzmarktaufsicht (FMA) erwähnt.

Mehr zur Anzeige gegen Grasser und seiner Verbindung zu Meinl lesen Sie im NEWS 16/09!

21.4.2009 15:48
donau123, 25. 04. '09 11:36
wie tief ist doch mein burli gesunken, aber
wenn alles schief geht kann er ja immer noch autos verkaufen....
RolandWieser, 16. 04. '09 10:28
Schade nur das Grasser davonkommen wird
Der neoliberale Grasser ist für mich ein Beispiel für jemanden der es versteht mit Hilfe der unsichtbaren Hand hohen gesellschaftlichen Einfluß zu gewinnen.

Seine Karriere ging vom FPÖ Mitglied zum beinahe ÖVP Vizekanzler. Er wurde ausgezeichnet mit dem goldenen Ehrenzeichen für die Verdienste um die Republik Österreich.

Weil er dafür mit verantwortlich war, dass Pensionisten ein gutes Stück an ihrer Pension verlieren? Weil er Goldreserven der Republik verkaufte und dadurch der Öffentlichkeit ein Nulldefizit vorgaukeln konnte?

Nein, deswegen sicher nicht! Ich bin davon überzeugt, dass er dieses Ehrenzeichen durch die unsichtbare Hand erhielt. Und genau diese unsichtbare Hand des Adam Smith wird dafür sorgen das es Leuten wie ihm, Meindl oder Flöttl immer gut geht.
Bananenbiager, 16. 04. '09 08:01
Totengräber
Solche Leute die den Schlund nicht voll bekommen und andere noch dazu betrügen, ohne Rang und Ansehen sollen endlich die Gerechtigkeit zu spüren bekommen.

Ich kann immer nur sagen, mir geht es gut-ich betrüge niemanden um 1€ mehr zu haben- denn mitnehmen kanns keiner und im Gegensatz zu den auftoupierten Fetzenköpfen ala Meinl war ich noch nie im Häfen...
Weiter so mit dem aufräumen.
zehent, 15. 04. '09 18:34
Ist Herr Konrad wieder am Werk?
Habe nichts gegen eine Anzeige,sollten die Mafiosis des Raika-Konrad dahinter stecken dann ist es höchste ZEIT ,daß die Justiz aktiv wird.
marcelus, 15. 04. '09 18:08
Der feine Herr Grasser...
... dessen SC Quantschnigg im AR der Meinl Bank AG von den Provisionszahlungen an eine Meinl-Gesellschaft (deren steuerlicher Sitz im Inland liegen dürfte) nichts bemerkte

.... wo der Schriftverkehr über Herrn Flöttl von Meinl nicht an die FMA, sondern gleich an das BMF geschickt wird...

.... wo Managementleistungen ohne direkten Leistungsbezug über langfristige Managementverträge mit Gesellschaften abgeschlossen werden...

... wo Zahlungen für eine "Homepage" gar nicht der (dann insolventen) FirstInEx, sondern in hohem Ausmass den Gesellschaften der Herren Meischberger und Hohenegger zugutekommen....
Verbesserer, 15. 04. '09 17:24
Natürlich habe ich nichts gegen Ermittlungen
wenn aber die Anzeige von einem Pilz kommt, ist sie bestens geeignet für den Rundordner
clsc, 15. 04. '09 16:01
das system nicht die akteure sind das problem
wenn eine demokratie ein solches system zulässt, dass erfinderische Köpfe viele kleine "dumme" sparer ausbeutet, ja die politiker und die medien dem noch publizistischen vorschub leisten, dann wäre es höchste zeit, nicht neidisch auf wenige erwischte zu hauen, sondern das system zu ändern! aber dahingehend gibt es kaum eine stimme, weder in der veröffentlichten meinung noch von politischer seite. neid und schadenfreude, weil es den einen oder anderen erwischt hat, ist keine lösung!
sidestep, 15. 04. '09 15:11
Endlich!
Der Sunnyboy (wie hieß es doch zu Zeiten als er noch Minister war) der Wunschschwiegersohn aller Mütter von Töchtern in Österreich, ist ein (es gilt die Unschuldsvermutung) "Gefallener". Ich wäre neugierig, wie viele Mütter ihn jetzt noch als Schwiegersohn haben wollen. Einen mutmaßlichen schweren Betrüger und Amtsmissbraucher (lt.Vorwurf).
pacemaker, 15. 04. '09 14:47
wäre interessant zu wissen, was da ....
so lange gedauert hat, bis der 'smarteste' aller beteiligten endlich auch unter die lupe genommen und 'vor den vorhang gebeten' wird?????