Freitag, 3. April 2009

Deflation streckt Hand nach Europa aus:
Ist Spanien nur erstes Opfer von vielen?

  • WIFO-Chef Aiginger gibt Entwarnung für Österreich
  • Konsum- & Preisrückgang droht Wirtschaft zu lähmen

Die Deflation hat jetzt ihre Hand auch nach Europa ausgestreckt. Mit Spanien ist das erste Land in der EU in die Deflation abgerutscht. Die Verbraucherpreise sind dort um 0,1 Prozent gefallen. Diese Entwicklung könnte auch dem restlichen Europa blühen. Die gesunkene Kaufkraft in Verbindung mit einem zunehmenden Preisrückgang droht die Wirtschaft zum Erliegen zu bringen. Für Österreich bestehe im Moment allerdings keine Gefahr, betonte WIFO-Chef Karl Aiginger.

Die Anzeichen für ein Deflation häufen sich. Die Inflationsrate der EU-Staaten ist im Februar auf 1,7 Prozent gesunken. Niedrige Energiepreise drücken auf die Inflation. Zusätzlich dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins abermals senken. So viel ist nach Ansicht der meisten Experten sicher. Schließt man sich der Mehrheit der Ökonomen an, wird der Leitzins um einen halben Prozentpunkt auf dann ein Prozent fallen.

Angst vor Deflation steigt
Die Angst vor einer Deflation, bei der sinkende Preise die Bereitschaft zu Investitionen und Konsum und letztlich die Wirtschaft lähmen, wird immer größer. Der niederländische Notenbankgouverneur Nout Wellink sprach jüngst von einem "extrem schmalen" Grat zwischen dem aktuellen Rückgang der Inflation und einer Deflationsspirale. Steigende Preise sind seit Monaten kein Thema mehr: In Spanien, dem mit am härtesten von der Krise getroffenen Mitgliedsland der Euro-Zone, rutschte die Teuerung im März erstmals seit Beginn der Flaute unter die Nulllinie.

Kaufkraft wieder steigern
Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) forderte erst vor kurzem, dass die EU die Geldmenge im Wert von einem Prozent ihrer gesamten Wirtschaftsleistung erhöht. Damit sollte die Massenkaufkraft unterstützt und eine drohende Deflation abgewendet werden.

Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) will dem Risiko einer Deflation entgegentreten und greift im Kampf gegen die Rezession zu drastischen Mitteln. Sie senkte den Leitzins weiter nahe null und tätigt Devisenkäufe, um eine Aufwertung des Franken zum Euro zu verhindern. Damit will die Bank vermeiden, dass sich Schweizer Export-Produkte verteuern. Schließlich beginnt sie mit dem Kauf von Franken-Obligationen von privaten Schuldnern.

Entwarnung für Österreich
"Die Weltwirtschaft ist in einer tiefen Rezession", der sich "Österreich als kleine, exportorientierte Volkswirtschaft nicht entziehen kann", erklärten WIFO und IHS in ihrer neuen Prognose. Es handle sich um "den schwersten Wirtschaftseinbruch der Nachkriegszeit". "Das Konjunkturtal ist wesentlich tiefer als gedacht", so Aiginger. Die Inflation sinkt wegen der Energiepreisrückgänge heuer deutlich auf unter ein Prozent und etwas über ein Prozent 2010, nehmen WIFO und IHS an. Trotz des Erlahmens der Inflation tauche keine Deflation am Horizont auf, betonte Aiginger. Dies gelte auch, wenn heuer in einem Monat die Inflationsrate einmal auf einen negativen Wert von -0,1 oder -0,2 Prozent springen sollte.

(apa/red)

3.4.2009 10:54