Spanien feiert Last-Minute-Sieg vs. Türkei: Seleccion schon seit 31 Partien unschlagbar
- Albert Riera macht in 92. Minute entscheidendes Tor
- Auch Niederlande und England am Weg zur WM

Europas Fußball-Großmächte befinden sich souverän wie selten zuvor auf direktem Weg Richtung WM-Endrunde 2010. Europameister Spanien hielt nach einem Last-Minute-Erfolg in der Türkei ebenso seine makellose Bilanz wie die Niederlande und England, für das Trio scheinen die Tickets nach Südafrika nur noch Formsache. Mit Deutschland und Italien blieben zwei weitere europäische Top-Teams ungeschlagen, auch wenn sich der Weltmeister in Bari mit einem 1:1 gegen Verfolger Irland zufriedengeben musste.
Für Italiens Coach Marcello Lippi war der Schuldige für den verpassten Heimerfolg der "Squadra" schnell im Unparteiischen Wolfgang Stark gefunden. Der Deutsche hatte Stürmer Pazzini nach einem Luftkampf mit O'Shea, bei dem der Verteidiger ein blutendes Cut erlitt, wegen eines Ellbogenchecks bereits in der 4. Minute vom Platz gestellt. Nach dem 1:0 durch Vincenzo Iaquinta (10.) kassierten die Italiener durch Robbie Keane (89.) noch den späten Ausgleich.
"Es ist eine Schande, dass wir so spät noch ein Tor kassiert haben. Aber wir mussten auf diesem Level aufgrund des Schiedsrichters 10 gegen 11 spielen", erklärte ein aufgebrachter Lippi. "Wir reden (in der Liga, Anm.) über unsere Referees, aber schaut euch einmal die ausländischen an." Der Weltmeister verpasste damit die Chance, sich abzusetzen und liegt nach sechs Spielen weiter zwei Zähler vor den Iren. Deren italienischer Coach Giovanni Trapattoni war für die "Gazzetta" der "einzige Sieger des Abends", "Tuttosport" titelte über den 70-Jährigen: "Trap spielt Italien einen Streich".
Gewinnen als Gewohnheit
Spanien setzte hingegen am Bosporus trotz 0:1-Rückstand seinen Lauf fort. Xabi Alonso (63./Elfmeter) und Albert Riera (92.) sorgten für den sechsten Sieg im sechsten Quali-Spiel, die Iberer sind seit nunmehr 31 Spielen ungeschlagen und stellten damit den von ihnen selbst sowie Argentinien gehaltenen Rekord ein. "Gewinnen wird für Spanien zur Gewohnheit", befand das Sportblatt "As" und Torschütze Riera meinte zum spanischen Selbstvertrauen: "Wir wussten, dass es nach dem Gegentor schwierig wird. Aber Spanien wird immer versuchen, zu gewinnen und wir wussten, dass die Möglichkeiten kommen werden."
Für die Türken wird es im Rennen um die WM nun selbst um einen Platz im Play-off knapp. Spanien liegt an der Spitze sechs Zähler vor dem ersten Verfolger Bosnien-Herzegowina, der wiederum vier vor dem EM-Halbfinalisten liegt. "Jetzt reicht es nicht nur, sie zu schlagen. Wir müssen bereits hoffen, dass sie Punkte liegenlassen", erkannte der türkische Teamchef Fatih Terim richtig.
Das WM-Quartier bereits buchen können auch die Niederlande nach einem 4:0 gegen Mazedonien. Bei acht Zählern Vorsprung auf Schottland könnten die "Oranjes" bereits in Island am 6. Juni die Endrundenteilnahme fixieren. "Wir wissen, dass wir so gut wie qualifiziert sind", sagte Bondscoach Bert van Marwijk, der trotz 15 Zählern aus 5 Spielen und 12:1-Toren Verbesserungsbedarf ortete. "Dieses Team muss noch lernen, stabiler zu werden und sich gegenseitig zu vertrauen. Wenn das passiert, können wir es mit den stärksten Gegnern aufnehmen."
England marschiert
England marschiert dank eines 2:1 gegen die zuvor ungeschlagenen Ukrainer auf direktem Weg Richtung WM-Teilnahme. Den Fixplatz streitig machen könnten den "Three Lions" höchstens noch die in Andorra siegreichen Kroaten, die fünf Zähler hinter den Briten liegen.
Aufregung herrschte im deutschen Lager nach dem 2:0 in Wales weniger über die Leistung der DFB-Elf, sondern aufgrund eines Streits zwischen Kapitän Michael Ballack und Lukas Podolski. Die Teamkollegen mussten nach einem Disput auf dem Feld von Mannschaftskollegen getrennt werden, beide sollen ihre Differenzen nach einer Besprechung mit dem Trainerteam aber wieder ausgeräumt haben. "Wir haben deutlich gemacht, dass uns solch eine Aktion ins falsche Licht bringt", sagte Team-Manager Oliver Bierhoff am Donnerstag. "In drei Minuten war das erledigt. Sie haben sich hinterher wieder tief in die Augen gesehen und abgeklatscht."
Deutschland das WM-Ticket streitig machen könnte einzig noch Russland. Das Team von Trainer Guus Hiddink liegt nach einem hart erkämpften 1:0 gegen Fußball-Zwerg Liechtenstein bei einem Spiel weniger vier Punkte hinter dem Vizeeuropameister. "Ich gehe nicht davon aus, dass Russland alle Spiele gewinnt", machte sich Deutschlands Bundestrainer Joachim Löw noch keine Sorgen.
(apa/red)
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