Flüchtlingsdrama vor der libyschen Küste:
Nach Schiffbruch 300 Menschen vermisst
- Flüchtlingsboote gerieten vermutlich in einen Sturm
- Küstenwachen suchen weiterhin nach Überlebenden

·VIDEO: Bootsunglück vor Libyens Küste
CNN: IOM-Sprecher Chauzy über Katastrophe
·Hunderte Flüchtlinge verlieren ihr Leben
GRAFIK: Hier kam es zum Drama im Mittelmeer
·Weiter Flüchtlings-
Chaos auf Lampedusa
Berlusconi: "Das ist kein Konzentrationslager"
·Asylanträge nahmen
im Vorjahr wieder zu
Flüchtlinge aus dem Irak
bilden größte Gruppe
Beim Untergang mehrerer Flüchtlingsboote vor der libyschen Küste sind offenbar hunderte Menschen ertrunken. Offizielle Quellen sprachen von über 300 Toten. In der Nähe von drei Bootswracks habe die Küstenwache mindesten 23 Leichen geborgen. Mehr als 250 Passagiere der von Sidi Belal nahe der Hauptstadt Tripolis losgefahrenen Boote würden vermisst.
Ein viertes Boot mit mehr als 350 Flüchtlingen an Bord sei in der Nähe des vor der Küste gelegenen Ölfelds Buri in Seenot geraten. Die Küstenwache habe das Schiff aber in den Hafen von Tripolis schleppen und alle Passagiere retten können.
Die Internationale Organisation für Migration (IOM) in Genf bestätigte die Angaben. Offenbar würden mehr als 300 Menschen vermisst, sagte IOM-Sprecher Jean-Philippe Chauzy. Sie hätten wohl versucht, zur italienischen Insel Lampedusa zu gelangen. Von Überlebenden habe er keine Kenntnis. Ein IOM-Vertreter in Tripolis sagte, die libyschen Behörden hätten eine "Tragödie" bestätigt.
Boote weit auf See gesunken
Chauzy sagte, die Boote seien zu weit auf See gesunken. Deshalb hätten die Flüchtlinge nicht an Land schwimmen können. "Auf diesen Schiffen gibt es keinerlei Sicherheitsausrüstung, keine Bojen, keine Beiboote oder sonst irgendetwas - denn es geht darum, bei völliger Missachtung ihrer Sicherheit und Würde so viele Menschen wie möglich darauf zusammenzupferchen", fügte er hinzu.
UNO-Flüchtlingshochkommissar Antonio Guterres zeigte sich betroffen von dem Vorfall und wies darauf hin, dass momentan die "Schmuggel-Saison" am Mittelmeer beginne. UNO-Experten seien unterwegs, um die nach Libyen zurückgeschickten Flüchtlinge zu befragen, die mittlerweile in Internierungslagern in der Nähe von Tripolis festgehalten würden.
(apa/red)
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