Dienstag, 31. März 2009

Sprengstoffanschlag bleibt rätselhaft:
Polizei tappt nach Vorfall weiter im Dunklen

  • Sprengstoff wird für Felssprengungen verwendet
  • Polizei verlangt bessere Sicherheitsvorkehrungen

Nach dem Sprengstoffanschlag auf die Polizeiinspektion St. Johann im Pongau wird nun überlegt, wie die Sicherheitsvorkehrungen für die Beamten verbessert werden können. Bei dem Sprengstoff, der in einer Kabeltrommel versteckt war, könnte es sich um Gelatine-Donarit gehandelt haben, der für Felssprengungen verwendet wird. Diesen Sprengstoff können nur Berechtigte mit einer behördlichen Genehmigung kaufen, erklärte ein Sprengstoffsachverständiger.

Zu den Tätern gibt es nach wie vor noch keine konkrete Spur, "es sind bisher sehr wenig Hinweise aus der Bevölkerung eingelangt", sagte die für diesen mysteriösen Fall zuständige Pressesprecherin im Landespolizeikommando Karin Temel. Ein Bekennerschreiben ist nicht eingelangt. "Es gibt Hinweise, dass es sich bei dem Sprengstoff um Gelatine-Donarit handelt, formell bestätigt ist das aber noch nicht. " In ein paar Tagen werde das Ergebnis der kriminaltechnischen Untersuchungen vorliegen. Das Bundeskriminalamt in Wien ist für die Sprengstoffanalysen zuständig.

Nach Angaben von Andreas Dürager, Sprengstoff-Sachkundiger im Landespolizeikommando Salzburg, ist Gelatine-Donarit ein gewerblicher Sprengstoff, der u.a. für Tunnel- oder Steinbruchsprengungen verwendet wird. Erhältlich ist der Sprengstoff in einem gewerblichen Vertrieb. Allerdings nur mit einer Berechtigung und einem Bezugsschein von der zuständigen Bezirkshauptmannschaft, in deren Gebiet gesprengt wird. "Der Sprengmeister muss den Behörden den Ort und das Datum der Sprengung bekanntgeben."

Verbesserung der Sicherheitsmaßnahmen
Derzeit sammelt die Polizei Ideen für Verbesserungen der Sicherheitsmaßnahmen. "Konkret ist aber noch nichts", sagte Temel. Wie ein Beamter der Polizeiinspektion St. Johann mitteilte, ist die Verunsicherung unter den insgesamt 25 Polizisten, die dort ihren Dienst versehen, groß. "Wir wissen ja noch immer nicht, was dahinter steckt. Von Drohanrufen weiß ich nichts." Eine Überwachungskamera an der Eingangstüre des Hauses, die rund um die Uhr eingeschaltet ist, hält er für sinnvoll. Denn die Kamera, die dort installiert ist, läuft nur in der Nacht, "am Tag ist sie nicht eingeschaltet".

Der Eingang zur Polizeiinspektion liegt im ersten Stock des Gebäudes, dort befindet sich ein Sichtfenster und eine Glocke. Das Vorhaus im Erdgeschoß, wo sich auch eine Wohnung befindet, ist frei zugänglich. Dort stand sechs Wochen lang jene blaue Kabeltrommel der Firma "Brennenstuhl", in welcher der Sprengstoff eingebaut war und die explodierte, als ein 50-jähriger Polizist sie in der Garage ansteckte, um einen Dienstwagen mit dem Staubsauger zu reinigen. Der Beamte erlitt einen Gehörsturz an beiden Ohren und eine schwere Verletzung an der linken Hand, die im Krankenhaus Schwarzach im Pongau operiert wurde. Gerüchten zufolge ist auch ein interner Racheakt nicht ausgeschlossen.
(apa/red)

31.3.2009 13:09