Dienstag, 31. März 2009

Heftiger Schlagabtausch um den Küniglberg:
"Machtpolitischer Anschlag" auf den ORF?

  • Neues Gesetz soll noch dieses Jahr in Kraft treten
  • Kommt Teilrefundierung der Gebührenbefreiung?
    IHRE MEINUNG zum Polit-Gefecht um Wrabetz & Co.

Bundeskanzler Werner Faymann will dem ORF - nach einer hausinternen Strukturreform - einen Teil der Gebührenbefreiungen refundieren. Das kündigte er bei der Sondersitzung des Nationalrats an und betonte, er wolle "aus der wirtschaftlichen Situation des ORF Konsequenzen ziehen und dort, wo die Politik zuständig ist, ordentliche Rahmenbedingungen schaffen". "Ohne zusätzliche Mittel kommt das Unternehmen nicht in die schwarzen Zahlen", glaubt der Kanzler. Durch die Gebührenbefreiungen entgehen dem ORF derzeit jährlich rund 60 Millionen Euro. Zudem soll laut Faymann das neue ORF-Gesetz noch heuer in Kraft treten. Die Opposition fürchtet einen "machtpolitischen Anschlag".

Das neue ORF-Gesetz soll auf drei Punkten fußen, nämlich der Verkleinerung des Aufsichtsrats und dem Ausschluss der Parteienvertreter aus diesem Gremium sowie der Teilrefundierung der Gebührenbefreiungen. Die Politik sei dafür verantwortlich, an einer wirtschaftlichen Zukunftsbasis für den ORF mitzuwirken und sich dann "wieder geordnet zurückzuziehen", so Faymann. Ziel des Kanzlers ist es nach eigenen Angaben, "die Sicherung des ORF" zu gewährleisten und den ORF vor der Lage zu schützen, "einen oder zwei Sender verkaufen zu müssen".

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz begrüßte die Ankündigung des Kanzlers als "richtig und wichtig". Grund sich nun zurückzulehnen, sieht der ORF-Chef nicht. Es sei eine "wichtige Ansage", dass die Refundierung erst nach ORF-internen Strukturreformen und Sparmaßnahmen erfolgen soll. "Wir werden jetzt intern mit aller Kraft an diesen Maßnahmen arbeiten", so Wrabetz am Rande der Nationalrats-Sondersitzung.

"Machtpolitischer Anschlag"
Die Sondersitzung war von den Oppositionsparteien einberufen worden. In einem Dringlichem Antrag forderten sie einen "parteipolitisch völlig unabhängigen" österreichischen Rundfunk und wehrten sich gegen einen "machtpolitischen Anschlag" der Großen Koalition auf den ORF, wie der stellvertretende BZÖ-Klubchef Ewald Stadler in seiner Eingangsrede betonte. Er warnte davor, dass die Regierung die aktuelle Finanzkrise dazu nutzen wolle, an der ORF-Spitze das Personal auszutauschen und dass sie "das zum Teil anerkannt schlechte Programm nutzt, den Programmauftrag zu ändern".

Der Chef der Freiheitlichen, Heinz-Christian Strache, erwartet eine "Ausschaltung" der Opposition im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Geplant sei eine endgültige Aufteilung des ORF zwischen Rot und Schwarz, vermutete der FP-Obmann angesichts der Pläne der Regierung, ein neues Spitzengremium zu schaffen, in dem die Opposition nicht vertreten sein soll. Grünen-Bundessprecherin Eva Glawischnig warnte ebenfalls vor einer Machtübernahme im ORF, die nur zum Ziel habe, die journalistische Unabhängigkeit zu gefährden. Nicht umsonst warnten ORF-Journalisten vor wachsendem politischen Druck. Denn Ziel der Regierung sei, "unliebsame Personen wegzubekommen".

Cap sichert Parlamentsbegutachtung zu
SPÖ-Klubchef Josef Cap sicherte hingegen zu, dass es im Fall einer Gesetzesänderung ein "sauberes Verfahren" im Parlament inklusive Begutachtung geben werde. "Billige machtpolitische Spiele am Rücken" des ORF dürfe es nicht geben, versicherte der sozialdemokratische Fraktionschef. VP-Mediensprecher und Klubobmann Karlheinz Kopf betonte, dass sich das Unternehmen in einer existenziellen Krise befinde. Daran seien nicht nur Finanzkrise und Gebührenbefreiung schuld, sondern auch eine Vielzahl hausgemachter Probleme.

BZÖ-Dringliche abgelehnt
Am Ende der Sondersitzung wurde ein von Kopf eingebrachter (unverbindlicher) Entschließungsantrag der Regierungsfraktionen angenommen. Darin wird "die Bundesregierung ersucht, dem Nationalrat eine Regierungsvorlage zuzuleiten, die entsprechende gesetzliche Adaptierungen vorsieht, um den ORF unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Rechnungshofes mit seinem öffentlich-rechtlichen Auftrag langfristig zu erhalten und in der Erfüllung seines Auftrages zu stärken." Abgelehnt wurde hingegen der dringliche Antrag des BZÖ, in dem ein "parteipolitisch völlig unabhängiger" österreichischer Rundfunk eingefordert wurde.

(apa/red)

31.3.2009 15:55
diewilde, 31. 03. '09 19:53
Wozu am ORF festhalten?
Sollen sie ihn doch verkaufen, bisher haben sie doch eh nur schlechtes Programm gemacht und uns vor jeder Wahl beeinflusst..... am besten an einen deutschen Magnaten verkaufen, dann haben wir endlich ein gscheites Programm!!!
Viennese, 31. 03. '09 16:03
ORF unpolitisch 2.Teil
Warum kann man nicht Leute, wie es einst Portisch war, wieder in ein Höheres Amt hieven? Es sind Journalisten da die auch managen können. Aber die Politik will sich einen Zugriff auf die größte Meinungsorgel des Landes sichern. Denn ,egal welche Regierung, kann sonst den blödsinn verzapfen den sie mittlerweilen unters Volk bringt? Dem heutigen bundeskanzler ist die Kronenzeitung zuwenig. Die Bezirkszeitungen die alle aus einem SPÖ Verlag kommen auch. Allerdings wären unter einer Fachlichen Führung auch alle Parteisekretäre und parteisprecher ausgeschaltet. Da könnte ein Westenthaler anrufen soviel er will, er würde höchstens rausfliegen! Der ORF Beirat ist auch nur eine Makulatur. Denn wenn jemand einen Fritz Muliar als unabhängig bezeichnet , dem ist nicht zu helfen.
Viennese, 31. 03. '09 15:53
ORF Unpolitisch? 1.Teil
Das ist doch der Witz des Jahrhunderts! Bereits Bacher wurde 1967 von Bruno Kreisky installiert. Ich kann das beurteilen weil ich dabei war!!! Alle anderen waren und sind durch das Parteibuch dazugekommen. Ich rede jetzt nicht von den anständigen kleinen Journalisten uns anderen Angestellten, sondern von den " Managern". Waren diese einmal vielleicht kompetent, dann sind sie durch diese unsägliche Parteibuchwirtschaft korumpiert worden! Angefangen in der Zeit nach Bacher war ein Hr. kreuzer vorher bei der Arbeiterzeitung. nach dem PRF wurde er " Gesundheitsminister". Oberhammer war Richter!
Lindner war Schoßhund vom Raika Konrad. Die einzigen die sich nicht der Politik gebugten hatten. sind heute die Macher in der europäischen Medienwelt!
schultuete, 31. 03. '09 11:19
Aber es gibt ja noch ein anderes Problem (lt. Kurier):
ORF vor dem Ruin!!!
Schluchz!!

Aber wir wissen ja bereits, wie die Lösung aussehen kann:

Jeder ORF Mitarbeiter arbeitet 4 Stunden mehr (unentgeltlich selbstverständlich!)!
Dann gibts für die Kunden keine Gebührenerhöhung!!!
Das muss es den engagierten MitarbeiterInnen ja wohl Wert sein!

Wobei ich noch immer dafür bin, dass die Gehälter an den öffentlichen Dienst angeglichen werden!
Schließlich wird der ORF von der öffentlichen Hand finanziert! (Oder sind verpflichtende Gebühren nicht so in etwa das gleiche wie Steuern ....)

Und dann möcht ich mal sehen, wie die Frau Thurnher lächelt, wenn sie der Herr Wolf nach ihrer Arbeitszeit befragt ... was, lesen tun sie auch, um sich vorzubereiten??? ... das tut doch jeder Österreicher!

Sollen sich mal selbst verschaukeln!!!
sidestep, 31. 03. '09 09:02
Wieder einmal überzogen
Mein Gott welche Aufregung (umsonst?)! Der versuchte Zugriff auf den ORF durch die Parteien ist so alt wie der ORF selbst und nie ist es gelungen diesen so zu schwächen oder unter die politische Knute zu bekommen, dass er in deren Abhängigkeit geraten wäre. Dafür haben schon Redakteure mit Rückgrat, wie z.B. Armin Wolf gesorgt! Warum sollte es also jetzt gelingen? Einmal mehr Aufregung umsonst?!