Mittwoch, 25. März 2009

"Pohl-Position" von Redakteur Walter Pohl: Spion Zilk? Klären wir den Fall.

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Helmut Zilk war ein Spion. Sagt unser Schwesterwochenmagazin „profil“. Helmut Zilk war kein Spion. Sagt die großteils entrüstete Öffentlichkeit. Und wenn schon, dann war er kein „richtiger“ Spion. Sagen die dazwischen ein wenig relativierend.
Was ist eigentlich ein Spion? Frage ich mich. Und schlage im Internet bei Wikipedia nach. Folgender Wortlaut taucht dort auf: „Unter Spionage – abgeleitet vom lateinischen Verb ,spicare‘, das für Ausspähen steht – wird ursprünglich das Beschaffen und Erlangen unbekannter Informationen oder geschützten Wissens verstanden.“
Okay: so weit, so informativ. Was aber hat im Vergleich dazu Helmut Zilk selig getan? Er hat das getan, was er zeit seines Lebens am besten konnte: Er hat geplaudert. Wer Zilk kannte, der wusste, dass er eine echte „Plaudertasche“ war. Immer und bei jeder Gelegenheit. Egal ob im Interview mit Journalisten, am Abend nach dem dritten G’spritzten beim „Gustlbauer“, seinem Stammlokal in der Wiener City, oder sonstwie zwischendurch, beim Spaziergang am Graben.
Wenn die jetzt vorliegenden Informationen stimmen, dann hat Zilk auch gegenüber der tschechoslowakischen Staatssicherheit geplaudert. Und dafür finanzielle und materielle Zuwendungen bekommen. In der Höhe von rund 30.000 Euro nach jetziger Währung.
Und? „So what?“, sagt der kühle Engländer.

Kein fundamentales Staatsgeheimnis ging an die Tschechen, keine wie immer geartete „nationale Sicherheitsfrage“ wurde berührt, kein anderer Politiker nachhaltig desavouiert. „Hochverrat“ wäre das wahrlich keiner gewesen, bestenfalls ein Bild mit schiefer Optik, das den Stadtvater posthum die Benennung eines Teils der Ringstraße nach seinem Namen kosten könnte.
Aber bitte: Demokratie heißt auch Durchleuchtung, und so möge ein Untersuchungsausschuss gegründet werden, der versucht, der Sache auf den Grund zu gehen. Weil Ordnung muss sein, und zurückbleiben sollte nur dann etwas, wenn es tatsächlich auch da war. Und selbst dann wäre Zilk im schlimmsten Fall ein „Informant“ des tschechoslowakischen Geheimdienstes gewesen, der für „sachdienliche Hinweise“ entlohnt wurde.
Vorausgesetzt, man kann diesen finalen Vorwurf überhaupt beweisen. Denn selbst wenn Zilk tatsächlich Geld bekommen haben soll – auf sein Konto bei der Zentralsparkasse wird er es sicher nicht gelegt haben …

25.3.2009 18:16