Kommentar von Peter Pelinka: Unterschied zwischen "Informant" und "Spion"
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Ich gestehe: Ich war Informant. Wahrscheinlich bin ich es noch immer. Denn zum Job eines politischen Journalisten gehört es nun einmal auch, bisweilen Botschaftsangehörige anderer Länder zu treffen, auch solche, die eventuell Geheimdiensten zuarbeiten.
Brisant konnte das in Zeiten des Kalten Krieges werden, als sich zwei globale Machtblöcke gegenüberstanden, die das kleine, neutrale Österreich im Herzen Europas zwar nicht als Aufmarschgebiet für ihre Soldaten, wohl aber für ihre Schlapphüte betrachteten. Ich habe mich sicher vor 20, 25 Jahren einige Male mit einschlägigen Ostlern und Westlern von Presseabteilungen getroffen, die Hintergründe zur österreichischen Politik erfahren wollten. Solche lieferte ich ebenso wie zahlreiche Kollegen: Einschätzungen, wie man sie jeden Tag in fast jeder Zeitung des Landes lesen konnte. Dafür gab es üppigen Lohn in Gestalt eines Kaffees, einige Male sogar in Form eines Mittagessens. Oder immaterielle Zuwendungen: raschere Abwicklungen von Visaerteilungen für Berufsreisen in den Ostblock, eine Einladung zu einer tollen Studienreise in die USA, später zu einem Gaddafi-Interview (das dann nicht zustande kam, mir aber einen einwöchigen Aufenthalt in einem Hotelzimmer von Tripolis einbrachte).
Ich kann mir vorstellen, dass einige Geheimdienstler aus solchen und ähnlichen Treffen mit Journalisten Berichte bastelten, die ihre eigene Existenz legitimieren sollten. Mein Kollege Erhard Stackl, der als spezialisierter Zeitzeuge im Czernin-Verlag seine Bilanz über das Wendejahr 1989 veröffentlicht hat, zitiert den bekannten polnischen Bürgerrechtler Adam Michnik: Der Warschauer Geheimdienst habe so viele Beweise selbst fabriziert, dass man damit den Warschauer Kulturpalast tapezieren könnte.
Der entscheidende Unterschied zwischen harmlosen Informationsgesprächen und einer Tätigkeit als Spion ist riesengroß: Ein Spion ist einer, der über einen längeren Zeitraum hinweg systematisch Geheimnisse eines Staates oder einer Gruppe an ein anderes Land oder eine andere Gruppe liefert, aus Überzeugung oder/und aus pekuniären Motiven. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies der aufstrebende TV-Journalist Helmut Zilk in der ersten Hälfte der Sechzigerjahre getan hat. Fast sicher scheint mir aber zu sein, dass Zilk im Zuge seiner legendären und
für die spätere Öffnung der CSSR verdienstvollen Stadtgespräche regelmäßig Kontakte mit den dortigen Sicherheitsexperten gehabt und dabei verschwiegen war er wahrlich nie aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht hat: Durchaus plausibel, dass er auch seine Antipathie gegenüber dem kommenden SP-Chef Kreisky artikuliert hat oder seine Einschätzungen bezüglich Restitutionsforderungen Österreichs. Aber zu Staatsgeheimnissen hatte er damals sicher keinen Zugang. Und dass er zum Spion wurde, indem er selbst kassierte (Unterschriften ließen sich schon damals leicht fälschen) und die wirklichen CSSR-Spione die in den Akten erwähnten Summen nicht in die eigene Tasche umgeleitet haben, wie Exbotschafter Jiri Grusa vermutet, wird sich wohl nie beweisen lassen. Höchstens von Historikern auf Basis wirklich aller Akten.
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