Donnerstag, 26. März 2009

NEWS-Redakteur Huber Wachter: Über die Stimmung im ORF und die Hofburgwahlen

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Das hat dem arg gebeutelten ORF-Management in diesen Tagen gerade noch gefehlt! Da geht der Zentralbetriebsrat her und lässt just vom SPÖ-nahen Meinungsforschungsinstitut Ifes mehr als 2.000 ORF-Beschäftigte befragen. Zur Lage des Unternehmens. Das Ergebnis ist, no na, schlicht verheerend: 58 Prozent lehnen die Geschäftsführung glatt ab, nur zwei Prozent haben an ihr nichts auszusetzen. Dazu sehen 76 Prozent die ORF-Zukunft äußerst pessimistisch. Plus miserable Werte für Mitbestimmung im Konzern, massive Zweifel an der Qualität der Mitarbeiterführung, schlechte Arbeitsbedingungen und zumeist widersprüchliche Vorgaben. Fazit: Die ORF-Belegschaft, so der Betriebsrat, leide deswegen vermehrt auch gesundheitlich und unterliege, so wörtlich, „einem erhöhten Burnout-Risiko“. Lösungsvorschlag der Räte: Zwecks Gesundheitsvorsorge mögen Betriebspsychologen installiert werden. Und, quasi zur Unterstreichung der Arbeitswilligkeit trotz alldem: 44 Arbeitsstunden pro Woche, auch einmal länger als zehn Stunden am Tag, schrecke die ORF-Leute indes laut Studie gar nicht so sehr…

Schlimme Diagnose. Was immer man von so einer Studie halten mag – manifest wird durch sie, dass die Stimmung am Küniglberg tatsächlich im Keller zu sein scheint. Was wahrlich kein Ruhmesblatt für die Bosse ist. Daher: Was immer in den nächsten Wochen über den ORF, seine Zukunft, seine Manager, seine Positionierung usw. entschieden wird – vordringlich ist, dort zuallererst einen fähigen Motivator zu installieren. Einen, der es drauf hat, einer offenbar total verunsicherten Mannschaft wieder Biss, Zukunftsglauben, Selbstwertgefühl und damit dem Unternehmen mehr Kraft zu verschaffen. Besonders in der Krise.

Thema Hofburg, Bundespräsidentschaft
Das Gemauschel in ÖVP-Funktionärskreisen und auch anderswo ist nicht mehr zu überhören. Ausgehend von der Fast-Gewissheit, dass NÖ-Landeshauptmann Erwin Pröll insbesondere bei einem Wiederkandidatur-Verzicht des Amtsinhabers, Heinz Fischer, im Juni 2010 zur Wahl antritt, zerbricht man sich darüber den Kopf, ob ein Bundespräsident Erwin Pröll und zugleich ein Vizekanzler Josef Pröll im politischen Machtgefüge wirklich kompatibel wären. Motto: Wie viel Pröll verträgt das Land?

Wilde Spekulationen. Die Gerüchtebörse
rotiert darob. Das Szenario: Tritt Pröll sen. an, wird Pröll jun. mit hoher Wahrscheinlichkeit den Vizekanzler abgeben und Landeshauptmann von NÖ werden. Praktisch, weil es lediglich einem Austausch der Vornamen gleichkäme. In der Bundesregierung selbst könne Außenminister Michael Spindelegger wie einst Alois Mock locker den Vizekanzler geben. Alles klar? Nicht wirklich! Denn ÖVP-Chef Josef Pröll, junger Vizekanzler und Finanzminister, auf ein derartiges Karussell angesprochen, antwortet schmunzelnd, aber unmissverständlich: „Ich bin Parteichef. Ich werde mich bei den mir wichtigen Aufgaben – das ist die Konsolidierung der ÖVP, das ist, als Finanzminister das Land in schwieriger Zeit mit ruhiger Hand durch die Krise zu führen, und das ist, als Vizekanzler die Steuerung der Regierung wahrzunehmen – nicht stören lassen. Wer immer auch und wie viel Hofburg-Kandidaturen kommen mögen!“ Klartext: Die Prölls lassen sich nicht in die Suppe spucken, und auf dem Wiener Ballhausplatz wird, längst abgesprochen mit der SPÖ, wieder Proporz herrschen.
Roter Kanzler. Schwarzer Bundespräsident.

26.3.2009 09:42