Ob sich das die Gewerkschaften gefallen lassen? IV möchte Lohnrunden verschieben
- Beyrer: 'Um uns nicht in Hahnenkämpfen zu ergehen'
- Reaktion: Arbeitnehmer kündigen Widerstand an
IHRE MEINUNG: Eine gerechtfertigte Maßnahme?
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Das riecht nach Ärger: IV-Generalsekretär Markus Beyrer will angesichts der dramatischen Auftragseinbrüche in der Industrie die derzeit laufenden Lohnverhandlungen in der Elektro-, der Papier- und der Chemieindustrie verschieben. Beyrer plädierte für eine Verschiebung der Lohnrunden aufs vierte Quartal, "um uns nicht in Hahnenkämpfen zu ergehen". Die Gewerkschaft erteilte diesem Vorhaben naturgemäß eine klare Absage.
"Es wird keine Verschiebung geben", stellt GPA-Chefverhandler Karl Proyer klar. Auch Metaller-Chef Rainer Wimmer lehnte eine Verlegung der Verhandlungen ins vierte Quartal eindeutig ab.
Widerstand angekündigt
Für eine Verschiebung der Lohnrunde gebe es keinen Anlass. Gehaltsverhandlungen stehen aktuell in der Elektro-, Papier- und Chemieindustrie an. Proyer betonte zwar, keine Drohung in den Raum stellen zu wollen, warnte die Arbeitgeber jedoch. Wenn die Dienstgeber-Seite die Wünsche der Industriellenvereinigung verfolge, werde "sicher mit Widerstand der Gewerkschaftsbewegung zu rechnen sein". Was Beyrer sage, habe keine Bedeutung, sitze dieser doch nicht einmal am Verhandlungstisch: "Seine Meldung interessiert uns nicht."
Verschiebung kommt nicht in Frage
Wimmer betonte, dass man sich auch in schwierigen Zeiten Herausforderungen stellen müsse. Eine Verschiebung der Lohnverhandlungen komme daher nicht in Frage. Auch Überlegungen bezüglich einer Null-Lohnrunde erteilte der Metaller-Chef eine Absage: "Einen Nullansatz kann es nicht geben." Dies gelte umso mehr, als der Staat mit Konjunkturprogrammen und Steuerreform die Kaufkraft ankurble. Da werde die Gewerkschaft mit einem Lohnverzicht sicher nicht dagegen arbeiten.
"Lassen uns das nicht ruinieren"
Auch Proyer unterstrich, dass die Gewerkschaft sicher nicht die Steuerentlastung konterkarieren werde: "Wir lassen das Wirtschaftspflänzchen nicht durch Wünsche der Industriellenvereinigung ruinieren." In der IV funktioniere es ohnehin immer so: In guten Zeiten solle es keine guten Abschlüsse geben, weil man für die Krise sparen müsse und in der Krise müsse man dann Lohn und Gehalt gar noch kürzen.
"Verteilung der Nachteile"
Der Politikwissenschaftler Emmerich Talos hält ebenfalls nicht viel von der Verschiebung der Lohnrunden: "In einer Zeit, wo Unternehmen relativ hohe Gewinne eingeheimst und die Manager einen enormen Profit gezogen haben, in der Situation war von Solidarität nicht die Rede. Jetzt, wo es um die Verteilung der Nachteile geht, wird Solidarität eingemahnt", so Talos.
(apa/red)
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