Sonntag, 29. März 2009

Mehdorn bleibt auf seinem Sessel kleben: Spitzelaffäre lässt DB-Chef unbeeindruckt

  • Hält Rücktrittsforderungen für politisch motiviert
  • Wann zieht deutsche Regierung die Konsequenzen?

In der Daten-Affäre der Deutschen Bahn hat Konzernchef Mehdorn trotz wachsenden Drucks auch die jüngsten Rücktrittsforderungen zurückgewiesen. Es gebe unverändert keine Hinweise, dass Bahn-Mitarbeiter in der Daten-Affäre Straftaten begangen hätten. Zudem sei die Bahn unter seiner Führung trotz der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise gut aufgestellt, sagte Mehdorn zu deutschen Medien.

Die Rücktrittsforderungen der Gewerkschaften und der Opposition hält er für politisch motiviert. Offensichtlich hätten einige das Ziel, den eingeschlagenen Kurs der Bahn zu torpedieren und damit einen politischen Linkskurs durchzusetzen. "Leider lassen sich einige für diese Ziele instrumentalisieren", meinte Mehdorn.

"Stimmungsmache"
Der Bahnchef wies erneut Vorwürfe zurück, dass es bei dem Staatsunternehmen zu massenhafter Bespitzelung gekommen sei. "Dies ist die Stimmungsmache derer, die die Korruptionsbekämpfung des Unternehmens skandalisieren wollen." Vielmehr sei es darum gegangen, Geheimnisverrat zu verhindern. Der Fehler sei aber gewesen, dass dies nicht mit dem Betriebsrat und den Gewerkschaften abgestimmt worden sei und dass die Maßnahmen auf zu viele Mitarbeiter ausgeweitet worden seien, räumte Mehdorn ein.

Keine schützende Hand mehr
Die Bundesregierung sieht sich angesichts immer neuer Vorwürfe gegen die Bahn allerdings inzwischen gezwungen, schneller über personelle Konsequenzen bei der Bahn zu entscheiden als geplant. Ob Kanzlerin Merkel und die Große Koalition weiter an Mehdorn festhalten, ist derzeit noch offen. Von einer schützenden Hand im Kanzleramt für Mehdorn kann aber nicht mehr ausgegangen werden.

(apa/red)

29.3.2009 09:38