Wolfgang Eder: "Ausweitung der Kurzarbeit kann bis zu einer Verdoppelung reichen"
- Voest-Chef rechnet nicht mit garantierter Anleihe
- "Haben Liquiditätspolster von rund einer Mrd Euro"

Der Chef des Voest-Konzerns Wolfgang Eder hat die Hoffnung auf Staatsgarantien für die Industrie noch nicht aufgegeben und schließt Kündigungen gleichzeitig nicht aus. Im Interview mit FORMAT erläutert er die Situation des Stahlkonzerns.
FORMAT:Am Markt gibt es Gerüchte, wonach die Liquiditätslage der voestalpine aufgrund der Böhler-Übernahme sehr angespannt ist. War das der Grund, warum eine Anleihe jetzt auch ohne Staatsgarantie begeben wurde?
Wolfgang Eder:Zeiten wie diese stellen ein Treibhausklima für Gerüchte dar. Faktum ist, dass man sich Geld dann organisieren muss, wenn es zur Verfügung steht. Das ist jetzt der Fall. Die äußerst erfolgreiche Platzierung der Anleihe beweist, dass der Kapitalmarkt sehr großes Vertrauen in die Selbstfinanzierungskraft der voestalpine hat.
Liquiditätspolster von einer Milliarde
FORMAT:Wie sieht es mit der Liquiditätslage aus?
Eder:Wir haben ohne Berücksichtigung dieser Anleihe einen Liquiditätspolster von in Summe rund einer Milliarde Euro, der sich aus Cash-Reserven und garantierten, aber nicht in Anspruch genommenen Kreditlinien ergibt.
FORMAT:Wie hoch ist die Nettoverschuldung?
Eder:Sie liegt bei rund 95 Prozent des Eigenkapitals und damit wieder deutlich unter dem Niveau nach der Übernahme von Böhler-Uddeholm.
FORMAT:Haben Sie noch Hoffnung auf staatsgarantierte Anleihen?
Eder:Diese Frage bitte ich Sie an die verantwortlichen Regierungsmitglieder zu richten; ich persönlich rechne damit jedoch offen gesagt nicht mehr.
"Erwarte Ausweitung der Kurzarbeit"
FORMAT:Muss mehr Personal abgebaut beziehungsweise in Kurzarbeit geschickt werden, wenn es keine Staatsgarantie gibt?
Eder:Das eine hat mit dem anderen eigentlich nichts zu tun, weil sich die Personalkapazitäten an der mittelfristig erwarteten Nachfrage orientieren. Unsere Liquidität ist auch ohne Staatsgarantie nicht in Gefahr, sodass sich die beiden Faktoren nicht gegeneinander aufrechnen lassen.
FORMAT:Stimmt es, dass die Zahl der Kurzarbeiter verdoppelt werden soll?
Eder:Derzeit sind an österreichischen Standorten rund 5.200 Mitarbeiter zur Kurzarbeit angemeldet und knapp 2.950 tatsächlich in Kurzarbeit. Für Österreich erwarte ich in den kommenden Monaten eine weitere Ausdehnung, die bis zu einer Verdoppelung der Kurzarbeit über den Sommer reichen kann.
"Konzern zu 70 Prozent ausgelastet"
FORMAT:Wie hoch ist die Auslastung derzeit?
Eder:Über den Konzern rund 70 Prozent.
FORMAT:Wie lange wird die Krise dauern?
Eder:Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass diese Frage irgendjemand wirklich seriös beantworten kann. Derzeit ist jedenfalls keine Erholung, in welchem Bereich auch immer, absehbar.
FORMAT:Wie viele Mitarbeiter müssen im Herbst gekündigt werden, sollte sich die Lage nicht verbessern?
Eder:Wir versuchen, ohne großflächige Kündigungen auszukommen, ausschließen können wir aber nichts. Oberstes Ziel bleibt aber jedenfalls, dass möglichst wenige Menschen ihre Arbeit verlieren. Seriös quantifizieren lässt sich dies aus heutiger Sicht nicht.
Interview: Miriam Koch
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