Christoph Leitl über schlechte Manager:
"Die Gier hat jetzt abgewirtschaftet"
- Wirtschaftskammer-Präsident im NEWS-Gespräch
- Christoph Leitl über Jammerer und Schönreder
IHRE MEINUNG: Was sagen Sie zur Managergier?

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es nicht mehr geben"
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Christoph Leitl, bald 60, Chef der Wirtschaftskammer Österreich und selbst Unternehmer, über schlechte Manager, Gier und Versäumnisse der Politik.
NEWS: Herr Leitl, dieser Tage werden Sie 60. Schon jetzt alles Gute. Wie feiern Sie?
Christoph Leitl: Danke. Ich habe einige Feiern im Kreis der Mitarbeiter, Funktionäre und wichtiger Partner. Am Samstag ist Familie. Und am Sonntag bin ich, nach der Kirche, im Ochsenwirt. Da wird ausnahmsweise nicht nur am Stammtisch, sondern im ganzen Wirtshaus gefeiert; ohne Reden, keine Beweihräucherungen, alles herzlich, humorvoll. Es soll zünftig sein.
NEWS: Was nervt Sie derzeit mehr: diejenigen, die versuchen, die Wirtschaftskrise schönzureden, oder diejenigen, die nur jammern?
Leitl: Die Jammerer mag ich überhaupt nicht; dadurch wird nichts besser. Schönreden ist auch nicht der zielführende Weg. Richtig ist es, die Dinge nüchtern zu betrachten.
NEWS: Wurde genügend getan, um aus der Krise zu kommen?
Leitl: Ich glaube, dass einige wichtige Schritte gemacht worden sind. In der Frage der Bankensicherung hat die Bundesregierung rasch reagiert. Auch bei den Konjunkturpaketen. Ich bin aber sehr kritisch, was die Geschwindigkeit der Umsetzung betrifft.
NEWS: Wird das Ende der Krise der Beginn eines neuen kapitalistischen Systems sein?
Leitl: Nein. Aber ich glaube, dass der Gier-Kapitalismus ebenso abgewirtschaftet hat wie einst der Kommunismus.
NEWS: Alles nur Managergier?
Leitl: Das kann man schon sagen. Aber ich frage: Wo waren die politischen Regelungen, die die Gier der Manager unterbunden hätten? Wenn bei uns ein Manager seine Ziele nicht erfüllt, dann geht er mit vollen Säcken heim. Das kann nicht sein. Da haben wir Handlungsbedarf.
NEWS: Laut AUA-Geschäftsbericht hat Exboss Alfred Ötsch 876.000 Euro - so viel wie noch nie - verdient. Gleichzeitig hat er einen Nettoverlust von 430 Millionen Euro hinterlassen. Versteht das der Steuerzahler?
Leitl: Nein, und zu Recht versteht er das nicht. Aber das Gleiche trifft auch auf die Bundesbahnen oder die Asfinag zu. Wenn die mit vollem Ranzen nachhause gehen - was denken sich da Hunderttausende Gewerbetreibende oder Millionen Arbeitnehmer?
NEWS: Sie sind selbst Unternehmer. Spüren Sie die Krise?
Leitl: Die Krise hat uns noch nicht erwischt, zum Glück. Im Übrigen habe ich meine familiären Anteile an meinen Sohn Stefan übergeben. Nicht weil ich so alt bin und das nicht selber machen kann, aber mein Sohn ist alt genug. Ich mache nur noch ein paar Auslandsbeteiligungen. Weil alles andere wäre mit meiner 100-Stunden-Woche in der Wirtschaftskammer nicht vereinbar.
Interview: David Hell
Über Leitls private Leidenschaft lesen Sie im aktuellen NEWS 13/2009.
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