Krise treibt Arbeiter zu Verzweiflungstaten:
Chefs werden attackiert, sabotiert & entführt
- Haus des Bank of Scotland-Chefs wurde angegriffen
- Entlassene 3M-Angestellte nahmen Boss als Geisel
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Banken geschlossen
Bisher ist kein Ende der Zusammenbrüche in Sicht

Wut und Verunsicherung treiben Opfer der Wirtschaftskrise zunehmend zu gewaltsamen Aktionen. Nahe Edinburgh verwüsteten Unbekannte das Haus des früheren Chefs der Bank of Scotland und schlugen Scheiben seiner Limousine ein. In Frankreich nahmen angestellte zum zweiten Mal binnen zwei Wochen einen Manager als Geisel, um gegen Entlassungen zu protestieren. Arbeiter der deutschen Reifenfirma Continental zündeten in Paris Barrikaden an und forderten Hilfe der Politik.
Das Haus von Fred Goodwin nahe der schottischen Hauptstadt Edinburgh stand nach Polizeiangaben zur Zeit des Angriffs leer. An einer vor dem Haus geparkten Mercedes-Benz S-600-Limousine sei die Heckscheibe eingeschlagen worden. "Bankenchefs sind Kriminelle", hieß es in einer anonym versendeten E-Mail an die Zeitung "The Edinburgh Evening News".
Für Empörung hatte gesorgt, dass Goodwin nach seinem Rücktritt im vergangenen Jahr jährlich 700.000 Pfund (757.371 Euro) Pension bekommt. Goodwin musste als Chef der RBS gehen, weil das Unternehmen im Zuge der weltweiten Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten war. 2008 machte RBS einen Verlust von mehr als 24 Mrd. Pfund.
Goodwin, der wegen seiner drastischen Sparmaßnahmen auch "Fred the Shred" (Fred der Zerkleinerer) genannt wurde, hatte sich Forderungen der Regierung widersetzt, auf einen Teil seiner Pension zu verzichten. Die Regierung hat der RBS schon mit 20 Mrd. Pfund aus der Klemme geholfen.
Chef als Geisel genommen
In Frankreich richtete sich der Zorn gegen den nationalen Chef der amerikanischen Büromaterialfirma M3, Luc Rousselet. Mitarbeiter hielten ihn in der Niederlassung in Pithiviers nördlich von Paris als Geisel. "Wir haben keine andere Munition als die Festsetzung der Verantwortlichen", sagte Laurent Joly, der seit elf Jahren in der Fabrik arbeitete.
Belegschaften im Streik
3M gab in der vergangenen Woche Pläne bekannt, mehrere hundert Beschäftigte in Frankreich zu entlassen. Betroffen sind 110 von 235 Mitarbeitern in Pithiviers. Seit Freitag ist die Belegschaft im Streik, sie fordert höhere Abfindungen sowie bessere Arbeitsbedingungen für die verbleibenden Mitarbeiter. "Wir werden durchhalten, bis wir bekommen, was wir verdienen", sagte Jean-Francois Caparros von der Gewerkschaft Force Ouvrier.
Am 13. März hatten wütende Arbeiter einer Sony-Fabrik bei Bordeaux den Frankreichchef des Konzerns für eine Nacht als Geisel genommen. Er wurde erst nach neuen Verhandlungen über die geplanten Werkschließungen wieder freigelassen.
Auch die Wut gegen die von Conti geplante Werksschließung in Clairoix in Nordfrankreich ebbt nicht ab. Dutzende Mitarbeiter zogen in einem Protestmarsch vom Bahnhof Saint Lazare zum Élysée-Palast und zündeten Barrikaden aus Gummireifen an. "Wir brauchen Hilfe von der Politik, sonst machen die Reifenbosse, was sie wollen", sagte Antonio Da Costa von der Gewerkschaft CFTC.
(apa/red)
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