Mittwoch, 25. März 2009

Düsterer Ausblick für den Welthandel 2009:
WTO befürchtet Einbruch wie noch nie zuvor

  • Exporte der Industriestaaten fallen um 10 Prozent
  • WTO hält aber weiter an Freihandelsparadigma fest

Der Welthandel wird 2009 nach Einschätzung der Welthandelsorganisation so stark einbrechen wie nie zuvor. Er dürfte im Vergleich zu 2008 um neun Prozent zurückgehen, teilte die WTO in Genf mit. Damit ist die Handelsorganisation weit pessimistischer als etwa der Internationale Währungsfonds, der einen Rückgang von knapp drei Prozent erwartet. 2008 hatte der Handel noch einen Zuwachs um 15 Prozent verzeichnet. WTO-Generaldirektor Pascal Lamy warnte davor, den Handel über protektionistische Maßnahmen weiter einzuschränken.

Allein die Exporte der Industriestaaten dürften nach WTO-Schätzungen um zehn Prozent fallen, wogegen die Entwicklungs- und Schwellenländer nur einen Einbruch um zwei bis drei Prozent verzeichnen dürften. Besonders hart getroffen ist nach Ansicht des deutschen Außenhandelsverbands die Exportnation Deutschland: Die Exporte werden 2009 sogar um 15 Prozent zurückgehen. Deutschland war im vergangenen Jahr zum sechsten Mal in Folge Exportweltmeister und lag mit 1,47 Bill. Dollar (1.084 Mrd. Euro) knapp vor China. Derzeit ist vor allem die Autoindustrie von der sinkenden Nachfrage stark betroffen. Das beeinflusst auch den Welthandel negativ. Zwar seien Voraussagen schwierig, schreibt die WTO. "Aber es gibt nur wenig Grund für Optimismus, was den Ausblick für 2009 auf den Welthandel betrifft."

Geringe Nachfrage lähmt Produktion
Das weltweite Produktionswachstum war 2008 wegen der sinkenden Nachfrage zurückgegangen, erklärte die WTO weiter. Weil sich die Finanzkrise im September stark ausgeweitet habe, sei das reale weltweite Produktionswachstum im Gesamtjahr 2008 auf 1,7 Prozent gesunken. 2007 hatte das Wachstum noch 3,5 Prozent betragen. Im laufenden Jahr erwartet die WTO ein Produktionswachstum zwischen einem und zwei Prozent.

Die WTO dagegen sieht in Asien das Licht am Ende des Tunnels. In China, Singapur, Taiwan und Vietnam seien die Importe nach monatelangem Rückgang im Februar wieder gestiegen, in China sogar um 17 Prozent im Vergleich zum Jänner, erklärten die WTO-Ökonomen. Dies seien zwar nur die Zahlen eines einzigen Monats und daher mit Vorsicht zu genießen. Es könnte aber der Beweis für eine Abschwächung des Rückgangs sein, vielleicht auch schon für eine Trendumkehr.

Ausmaß reduziert sich
Auf keinen Fall würden die Exporte in dem Ausmaß wie bisher weiter zurückgehen, erwarten die WTO-Experten. "Im Falle Chinas würden die Exporte dann binnen zehn Monaten auf null fallen" - das aber sei "sehr unwahrscheinlich".

Das künftige Wachstum des Welthandels hänge stark von der künftigen weltweiten Nachfrage ab, erklärte die WTO und warnte in diesem Zusammenhang vor der wachsenden Tendenz der Staaten, ihre Wirtschaft abzuschotten. WTO-Chef Pascal Lamy rief die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer auf, dem Protektionismus bei ihrem Gipfeltreffen in der kommenden Woche eine klare Absage zu erteilen. Der Handel könne "ein wirksames Werkzeug" sein, die Welt aus der Wirtschaftskrise zu führen, erklärte er.
(apa/red)

25.3.2009 12:00