Papst beendet sechstägige Afrika-Tour:
Von Herzlichkeit der Afrikaner beeindruckt
- "Grundlegende Bedürfnisse der Armsten erfüllen"
- Schönborn-Kritik an "selektiver Wahrnehmung"

Papst Benedikt XVI. hat sich am Montag in einer ersten Bilanz seiner sechstägigen Afrika-Reise stark beeindruckt gezeigt von der "überschwänglichen Herzlichkeit", mit der er in Kamerun und Angola aufgenommen wurde. Die Menschen fühlten sich im Angesicht des Nachfolgers Petri ganz offensichtlich als "Teil der Familie Gottes", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche auf dem Flug von Luanda zurück nach Rom. Er lobte auch besonders den "Sinn für das Heilige und den Geist der Andacht der Afrikaner".
Beeindruckt habe ihn darüber hinaus die Begegnung mit den Leidenden bei dem Besuch des Behandlungszentrums "Kardinal Paul Emile Leger" für junge Behinderte und Traumatisierte in Yaounde in Kamerun. Dort hatte er am Donnerstag all jener gedacht, "deren Fleisch Wunden von Krieg und Gewalt aufweist".
Auf dem Flughafen der angolanischen Hauptstadt Luanda war der Papst zuvor am Montag mit militärischen Ehren verabschiedet worden. Präsident Jose Eduardo dos Santos dankte laut Kathpress Benedikt XVI. für seinen Besuch und sprach von einzigartigen Begegnungen mit dem angolanischen Volk. Vonseiten der Kirche habe es nie an einem Wort der Unterstützung für die Menschen im Land gefehlt.
Bedürfnisse der Ärmsten erfüllen
Bevor das Kirchenoberhaupt nach Rom zurückflog, rief es zum Abschluss dazu auf, die grundlegenden Bedürfnisse der ärmsten Menschen zu erfüllen. Dies müsse die Hauptsorge all derer sein, die öffentliche Ämter bekleiden: "Unser Herz kann keinen Frieden finden, solange es Brüder gibt, die unter Nahrungsmangel leiden, denen Arbeit, ein Dach über dem Kopf oder andere grundlegende Dinge fehlen." Kamerun und das von einem 27-jährigen Bürgerkrieg gezeichnete Angola gehören zu den ärmsten Ländern der Welt.
Der Papst warb für eine anhaltende Evangelisierung des afrikanischen Kontinents. In beiden Ländern rief Benedikt XVI. - von Menschenmassen umjubelt - dazu auf, mit Vertrauen und Mut eine Zukunft ohne Kriege aufzubauen und ebenso demokratische wie gottesfürchtige Gesellschaften anzustreben. "Werdet nicht müde, den Frieden voranzubringen und Gesten der Vergebung zu vollbringen, sowie für die nationale Versöhnung zu arbeiten." Niemals solle "die Gewalt vor dem Dialog stehen, die Angst und die Entmutigung vor dem Vertrauen, der Groll vor der brüderlichen Liebe", sagte der Papst.
Von Äußerungen überschattet
Die Papstreise war am Beginn von Benedikts Äußerungen zur Aids-Bekämpfung überschattet worden. Auf dem Hinflug hatte er den Einsatz von Kondomen im Kampf gegen die Krankheit abgelehnt. Er war daraufhin vor allem in Europa für seine Äußerung kritisiert, Kondome seien nicht nur keine Lösung des Aids-Problems, sondern würden dieses auch noch "verschlimmern". Stattdessen forderte er eine "geistige und menschliche Erneuerung" und eine "Humanisierung der Sexualität".
In Angola sprach sich Benedikt dann gegen Abtreibungen aus medizinischen Gründen aus. Später musste Vatikan-Sprecher Federico Lombardi die Haltung der katholischen Kirche dazu klarstellen: "Die katholische Kirche akzeptiert eine Abtreibung, wenn der Tod des Fötus nicht das Ziel ist, aber eine Folge einer medizinischen Behandlung der Mutter", um deren Leben zu retten. Diese "indirekte Abtreibung" habe die Kirche immer zugelassen. Was der Papst gesagt habe, sei, dass die Gesundheit der Mutter nicht als Vorwand benutzt werden könne für die Abtreibung als Form der Geburtenregelung, so Lombardi.
Kritik an "selektiver Wahrnehmung"
Der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, kritisierte eine "selektive Wahrnehmung" über die Papstreise der westlichen Medien. "Das grenzt an einen Skandal", stellte er am Rande einer Pressekonferenz in Wien fest. Die Berichterstattung vieler Medien sei "schlichtweg inakzeptabel": "Hat man in Europa nichts anderes zu hören und zu lesen als das, was verfälscht herausgefiltert wurde?" Dies habe nichts mit seriöser Informationsvermittlung zu tun. Die Reise sollte als eine "Warnung" an die wohlhabenden Länder verstanden werden: "Wir sollten uns daran erinnern, was wir unterlassen." Der Kardinal erinnerte etwa an die Umsetzung der Millenniumsziele der Vereinten Nationen.
Zum Abschluss seiner Reise musste der Papst auch noch seine Trauer über den tragischen Zwischenfall vor seinem Auftritt im Sportstadion von Luanda bekunden. Dort waren am Samstag im Menschengedränge zwei Mädchen ums Leben gekommen. Er sei "zutiefst getroffen" und bete für die Opfer, erklärte Benedikt. Der Papst wurde am Montagabend in Italien zurückerwartet.
(apa/red)
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