Montag, 23. März 2009

Hinrichtungen sind wieder im Vormarsch:
Großteil der 2.390 Todesstrafen in China

  • Zwei Drittel der Hinrichtungen im Reich der Mitte
  • Viele Vollzüge auch Iran, Saudi-Arabien und USA

Im vergangenen Jahr sind weltweit mindestens 2.390 Menschen exekutiert worden. Trotz der Olympischen Spiele in Peking hat China wieder mehr Menschen hingerichtet als jedes andere Land. Mehr als zwei Drittel der Hinrichtungen weltweit entfielen laut Amnesty International auf China. Dort wurden mindestens 1.718 Frauen und Männer nach Todesurteilen erschossen oder mit der Giftspritze getötet.

Damit wurden fast doppelt so viele Hinrichtungen bekannt wie im Jahr davor, als 1.252 verzeichnet wurden. Der starke Anstieg sei im wesentlichen auf die Entwicklung in der Volksrepublik zurückzuführen. Nach Amnesty-Angaben wurden dort mindestens 1.248 Todesurteile mehr vollstreckt als im Jahr zuvor. Dabei handelt es sich allerdings nur um die Zahl der bekanntgewordenen Exekutionen. Die tatsächliche Zahl der Hinrichtungen liegt nach Amnesty-Einschätzung "um ein Vielfaches höher". Die Schätzungen von Menschenrechtlern reichen bis zu 10.000 Fälle pro Jahr.

Von chinesischen Gerichten wurden im vergangenen Jahr mehr als 7.000 Todesurteile verhängt. Hoffnungen, dass die Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2008 an Peking am Umgang mit der Todesstrafe in China etwas ändern könnte, erfüllten sich damit nicht.

Iran vor Saudi-Arabien und USA
Auf die Volksrepublik folgen in der Statistik der Iran (mindestens 346 Exekutionen), Saudi-Arabien (mindestens 102), die USA (37) und Pakistan (mindestens 36). Als einziges Land in Europa ließ Weißrussland noch vier Menschen töten. Insgesamt wird die Todesstrafe nach Amnesty-Angaben noch in 59 Staaten praktiziert. Vielfach gibt es dort keine offiziellen Zahlen zu Hinrichtungen. Die Dunkelziffer liege nicht nur in China "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit deutlich höher", heißt es in dem Amnesty-Bericht.

Demgegenüber ist in insgesamt 138 Staaten die Todesstrafe abgeschafft oder wird in der Praxis nicht mehr vollstreckt. Im vergangenen Jahr kamen Argentinien und Usbekistan hinzu.
(apa/red)

23.3.2009 17:04