Sonntag, 29. März 2009

"Einbrecher kommen wie Heuschrecken":
Fekter löst veritable Sicherheitsdebatte aus

  • Maßnahmenpaket gegen Kriminalität angekündigt
  • Opposition kritisiert Pläne der Innenministerin heftig
    PLUS: IHR KOMMENTAR zu Fekters Zukunftsplänen!

Eine veritable Sicherheitsdebatte hat Innenministerin Maria Fekter mit ihrer Ankündigung ausgelöst, ein Maßnahmenpaket gegen die Kriminalität zu schnüren. In einem Interview mit der "Presse am Sonntag" sagte Fekter unter anderem, sie wolle die Einführung einer Kaution bei Anzeigen auf freiem Fuß. Außerdem übte sie heftige Kritik an Verwaltung Polizei in Wien. Von den Oppositionspparteien FPÖ, BZÖ und Grüne sowie von der Wiener SPÖ hagelte es Angriffe.

"Die Einbrecher machen sich hier wie die Heuschrecken über uns her. Das Ballungszentrum Wien ist unser größtes Sorgenkind", sagte Fekter. Man werde bei auf freiem Fuß angezeigten Tätern "eine Sicherheitsleistung abverlangen, also eine Art Kaution in der Höhe von ein paar tausend Euro". Wenn der mutmaßliche Täter die nicht habe, "beschlagnahmen wir sein Auto oder seine Wertgegenstände. Wenn er die Kaution nicht binnen 72 Stunden hinterlegt, werden diese Vermögenswerte versteigert", so die Ministerin. Wer nicht verurteilt wird, soll das Geld samt Zinsen zurückbekommen.

Sorgenkind Wien
Kritik übte Fekter an der Wiener Polizei, aber auch an der Sicherheitspolitik der Stadt: "Es ist schon eigenartig, warum es dieses Phänomen (der steigenden Zahl an Einbrüchen, Anm.) in Wien gibt und nicht im selben Ausmaß in anderen Ballungszentren wie Linz, Graz oder Salzburg." In Richtung Exekutive in der Bundeshauptstadt meinte sie: "Vielleicht hat die Wiener Polizei durch die Reformen der vergangenen Jahre noch nicht die Effizienz, die möglich und nötig ist. Vielleicht sind die Reformen in den Köpfen noch nicht angekommen." Für die Polizei überlegt sie ein neues Prämien- und Belohnungssystem, derzeit würden "Prämien mit der Gießkanne vergeben". Außerdem sprach sie sich für die Förderung von Sicherheitstüren durch die Stadt aus.

Heftige Kritik der Opposition
FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky und BZÖ-Sicherheitssprecher Peter Westenthaler forderten, dass an Österreichs Ostgrenzen das Schengen-Abkommen außer Kraft gesetzt wird. Fekter sei keine "Iron Lady", so Vilimsky. Er will auch eine radikale Verschärfung der Asylbestimmungen sowie einen Einwanderungsstopp. Für FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache, der nächstes Jahr als Spitzenkandidat bei der Wiener Landtagswahl antritt, ist Bürgermeister Michael Häupl der "Hauptverantwortliche", dass die Kriminalität in Wien explodiere. Die Wiener Landespolitik brauche dringend auch neue sicherheitspolitische Akzente, wie die Gründung einer eigenen Wiener Sicherheitswacht nach bayrischem Modell. Auch die Wiener ÖVP sprach sich für die Zusammenführung der Ordnungsdienste zu einer Stadtwache aus.

Der Grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz sagte: "Dass Wien eine offene Stadt für internationale Einbrecherbanden geworden ist, 'verdanken' wir Strasser, Platter und Fekter, die die Wiener Kriminalpolizei ohne Rücksicht auf Verluste politisch gesäubert und ruiniert haben." An die Stelle erfahrener Kriminalbeamter seien "verlässliche Parteibeamte gesetzt" worden, "die zwar politische Gegner aber nicht Kriminelle erfolgreich bekämpfen können", so Pilz. "Unter der ÖVP hat sich die Aufklärungsquote von Einbruchsdiebstahl von 30 auf rund 15 Prozent halbiert." ÖVP-Sicherheitssprecher Günther Kössl wies dies zurück.

"Unqualifizierte Angriffe" von Fekter
Widerspruch gab es auch auf Wiener Ebene: SPÖ-Landesparteisekretär Christian Deutsch sprach von "unqualifizierten Angriffen" Fekters auf die Wiener Polizisten. Von Seiten der Ministerin wäre der Polizei jedenfalls mehr geholfen, "wenn man gerade in Wien endlich die dringend benötigten Personalressourcen zur Verfügung stellen würde", sagte Deutsch. Ähnlich die Wiener Grüne Klubobfrau Maria Vassilakou: "Aggressive Floskeln im Stile Fekters bringen uns in Wien keinen Millimeter weiter", sagte sie am Samstag. Vassilakou warf der Innenministerin vor, "mit bürgerrechtlich inakzeptablen Hetzparolen" zu agieren. (apa/red)

29.3.2009 16:41
pacemaker, 30. 03. '09 16:06
Diese Ministerin Fekter ...
ist eine der primivsten, stillosesten und unfähigsten Person auf einem Ministerposten, die ich je als Bürger 'ertragen' musste. Strasser hat die Wiener Polizei herunter gewirtschaftet und ausschliesslich parteiorientiert umgestaltet ... und er wird belohnt (EU-Kanditat). Hoffentlich wird Frau Fekter auch bald 'international' befördert! Die ÖVP handelt noch immer nach den alten 'Schüssel-Eigenschaften'' ... präpoten, arrogant und selbstgefällig!!!
swabo, 29. 03. '09 18:00
Logische Rechnung !
Wie soll das bitte schön funktionieren, wenn 60% aller Straftaten in Wien und in unmittelbarer Umgebung verübt werden und dafür nur 30% aller Polizisten in Wien zur Verfügung stehen. Ausserdem darf man auch die Annoniymität der Großstadt, sowie die Lage von Wien (innerhalb von 50 km bin ich in drei Nachbarstaaten) außer Acht lassen. Ferner kann man ja auch einmal die Arbeitsbelastung der Wiener Polizei und in den Bundesländern vergleichen. Logische Antwort vorweg: Kein einziger vom Bundesland will nach Wien, aber ca. 500 Wiener Polizisten wollen in die Bundesländer. Wenn man natürlich für viel weniger Arbeit (ca. 60%) das gleiche Geld bekommt, dann will ich auch dorthin arbeiten gehen, oder?
Soviel zur Logik, Herr und Frau Österreicher!!!!
snacke99, 29. 03. '09 18:30
Re: Logische Rechnung !
ich hätt es nicht besser schreiben können. es finden auch 70% aller festnahmen in wien statt.
murli10, 29. 03. '09 15:46
heuschreckenplage
wir haben in wien und im übrigen österreich ausreichend polizisten. Was schlecht ist, dass ist die arbeitsmoral. es braucht auch keine prämien um erfolgreich zu sein. es braucht nur vorgesetzte, die nach einem objektivierungsverfahren ohne rücksicht auf parteizugehörigkeit die polizeiposten leiten. derzeit kommen sehr oft personalvertreter und gewerkschafter zum zug, die überhaupt keine qualifikation für diesen arbeitsplatz besitzen. die jährliche nach beträgen gestaffelte Belohnung soll ersatzlos fallen. dafür eine leistungsbelohnung für genau definierbare leistungen. es darf keine auslegungsmöglichkeit geben.
sidestep, 29. 03. '09 16:50
Re: heuschreckenplage
Da haben Sie ein wahres Wort und eine wahre Analyse gelassen ausgesprochen. Die Umfärbung war noch nie so schlimm gewesen, wie bei Strasser!
snacke99, 29. 03. '09 17:38
Re: heuschreckenplage
also ich glaub du hast keinen ahnung von der personalsituation bei der polizei in wien. erstens ist mit der reform etliches schief gelaufen und zum zweiten ist der arbeitsaufwand bei der bearbeitung von akten um ein vielfaches größer gewordern, seit die neue stpo in kraft ist. auch sind die planstellen weniger geworden und die kriminalität ist mehr geworden. also wie soll mehr arbeit mit weniger leuten bewältigt werden?
Rasso, 30. 03. '09 09:22
Re: heuschreckenplage
Zuerst die Lehrer die nichts arbeiten und faul sind - jetzt die Polizisten. Hauptsache der Herr murli arbeitet emsig den ganzen Tag.
sidestep, 29. 03. '09 10:01
Wehleidige Österreicher
Da behaupten diese wehleidigen Österreicher doch tatsächlich, dass die Kriminalität gestiegen sei, seit die Grenzen offen sind. Das kann doch wohl nur ein Irrtum sein! Die Frau Ministerin hat doch noch vor ein paar Monaten gesagt, dass die Kriminalstatistik total easy sei und alle Straftaten rückläufig seien. Warum diese "Klassefrau" jetzt umschwenkt und plötzlich zugibt, dass es doch mehr Kriminalität gibt und dass man dagegen etwas tun muss, ist mir völlig unverständlich. Ich bin voll auf der Seite der Frau Innenministerin und sage, in mein Haus ist nur zweimal eingebrochen worden. Wer was anderes sagt, der lügt. Jetzt habe ich einen Hund und es ist aus mit den Einbrüchen. Der Hund kommt wieder weg! Wie kommen unsere Kriminaltouristen dazu von wilden Bestien gebissen zu werden.